Sprechen Sie mit dem richtigen Ohr?

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Ein Chef sagt zu seiner Sekretärin, die grade geht: „Sie machen aber früh Feierabend.“ – Was glauben Sie, denkt Sie jetzt?
Jeder von uns hat vier Ohren mit den er hört. Welches Ohr am meisten ausgeprägt ist, ist subjektiv. Es kann sein, dass die naive Sekretärin nun locker aus der Tür geht und glaubt, er wollte nur sachlich mitteilen, dass es ein früher Feierabend ist. Oder sie ist verärgert über diesen Nimmersatt und versteht darunter, sie solle gefälligst länger für ihr Geld arbeiten. Vielleicht sieht sie in der Aussage auch seinen Neid, weil er selbst auch gerne frei machen würde. Oder sie fühlt sich angegriffen, weil er ihr zu verstehen gab, sie mache sich einen faulen Lenz.

Unser Verständnis von einfachen Aussagen kann auf vier Ebenen wahrgenommen werden. Die Tatsache, dass es wirklich noch früh ist, ist eine reine Sachinformation ohne großen Hintergrund. Der möglicherweise versteckte Vorwurf auf der Beziehungsebene, sie wäre faul hängt von der dazugehörigen Mimik und dem Ton ab, indem er es sagt. Bei dem versteckten Appell, sie solle länger arbeiten, hängt die Interpretation von dem Wink mit dem Zaunpfahl ab, der die Sekretärin dazu bewegen soll, von selbst auf die Idee zu kommen. Mit dem Neid, der hinter dieser Aussage stecken könnte, gibt der Chef von sich selbst etwas preis, nämlich seinen Wunsch, auch gehen zu können.

Wer miteinander spricht, sollte stets darauf achten, wie er wann was zu wem sagt. Je nachdem, mit welchem Mund man spricht, hört der Angesprochene mit einem anderen Ohr. Missverständnisse und Demotivation am Arbeitsplatz können durch klare Aussagen darüber, was man eigentlich mitteilen will, vermieden werden.

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