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Über Ängste, Zweifel und Selbstvertrauen! Interview mit Steffen Kirchner Teil II

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Podcast Folge #14

Über Ängste, Zweifel und Selbstvertrauen! Interview mit Steffen Kirchner Teil II

 

Herzlichen Willkommen zum Podcast: Impulse für Deine Motivation.

Mein Name ist Dirk Schmidt und jetzt hast Du die Chance Dir den zweiten Teil des Interviews mit Steffen Kirchner anzuhören.

Wenn Dir die erste Teil gut gefallen hat, wird Dir der zweite Teil es recht gefallen. Falls Du bisher noch keine Möglichkeit hattest, Dir den ersten Teil anzuhören, hol das bitte nach. Das erste Interview enthält viele, viele wertvolle Information für Deinen Alltag und im zweiten Teil des Gespräches mit Steffen erfährst Du, wie Du Dir ein starkes Selbstvertrauen aufbauen kannst, wie Du Deine Ängste und Zweifel dauerhaft besiegen kannst und warum Dir ein Ziel hinter dem Ziel sehr hilfreich ist.

Außerdem verrät Steffen Dir die Antwort auf eine entscheidende Frage: Wie Du mehr Erfolg in Deinem Alltag haben kannst.

Wenn Dir der Podcast gefällt, dann freue ich mich auf ein Feedback von Dir. Hinterlasse mir eine 5-Sterne Bewertung und ein Feedback auf iTunes.

Ich danke Dir und nun wünsche Dir ganz viel Spaß beim zweiten Teil!

Lieben Gruß

Dein Dirk

 

Dirk: In welchen Momenten Deines Lebens hast Du mehr gelernt? Wo es gut gelaufen ist oder in den Niederlagen, beim Scheitern?

 

Steffen: Ich glaube, Du lernst mehr beim Scheitern, weil Du mehr über Dich lernst. Wir sind beide ja Menschen, die Erfolge klarer analysieren als die Misserfolge. Nach guten Seminaren und Dingen, die gut funktioniert haben, dann analysieren wir diesen Erfolg. Viele analysieren nur ihre Misserfolge, für uns ist aber die DNA des Erfolges wichtig, warum haben die Dinge geklappt. Da lernst Du in der Sache sehr viel. Wenn Du einen Erfolg richtig analysierst, kannst Du durch ihn auch viel lernen. Aber über Dich selbst als Mensch, lernst Du in der Niederlage mehr, weil Du durch die Niederlage erkennst, wer Du eigentlich bist. Da bist Du mit Deinen Konditionierungen, Versagerbotschaften und vor allem Deinen Ängsten konfrontiert. Durch die Auseinandersetzung mit Deinen Ängsten lernst Du am meisten über Deine eigene Persönlichkeit und über Deine Grundbedürfnisse. Über mich habe ich in diesen Phasen mit Sicherheit am meisten gelernt und am meisten erkannt. Oftmals sogar das, was ich nicht mehr wollte. Das ist auch wichtig.

 

Dirk: Wenn Du mit einem Sportler 1:1 Mentaltraining machst, arbeitest Du mit seinen Stärken oder Schwächen?

 

Steffen: Auf alle Fälle mit beidem. Es heißt ja immer nur, stärke Deine Stärken. Es gibt einen Spruch im Buddhismus und der lautet: Wenn Du Meister bist in einer Sache, werde wieder Schüler in einer anderen Sache. Primär schaue ich immer zuerst auf die Stärken. Menschen werden stark, durch die Stärkung ihrer Stärken, des Potentials. Im Verhältnis sehe ich das bei 70% zu 30%. Es gibt aber einen Moment, wo Du Deine Stärken optimiert hast und das Nichtvorhandensein einer Stärke, muss nicht automatisch eine Schwäche sein. Nehmen wir mein Beispiel, das Reden: Früher war Reden alles andere als meine Stärke. Nicht deswegen, weil ich es nicht konnte, sondern weil ich einfach zu wenig gesprochen habe, zu wenig Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein hatte. Ich habe in der Schule auch weniger geredet und war nicht einer von den Coolen. Ich habe eins auf die Fresse gekriegt, wenn ich geredet habe.  

 

Dirk: Dir hat also eine Referenzerfahrung gefehlt in dem Bereich.

 

Steffen: Ja, genau. Ich habe irgendwann festgestellt, wenn Du Menschen bewegen willst, dann musst Du reden. Ich habe es dann ausprobiert und gemerkt, ok das fühlt sich noch nicht so gut an, aber irgendwie funktioniert’s. Und dann habe ich herausgefunden, dass es ein verborgenes Talent ist. Nicht jeder Mensch kann aus allem eine Stärke machen. Es gibt einfach Gaben und ich habe zum Beispiel beim Malen oder in handwerklichen Dinge absolut keine Gabe, da bin ich talentfrei. Da kann ich so viel tun und probieren wie ich will, ich entwickle auch keine Leidenschaft. Es gibt einfach diesen Moment, wo Du an einer Schwäche arbeiten musst. Erstens um zu erkennen, dass es gar keine Schwäche ist und zweitens gibt’s manchmal Schwächen, die sind so groß, dass sie Dich am Weiterkommen oder am Einsatz Deiner Stärken hindern. An der Stelle muss ich die Schwächen frei lassen und ich muss sie zumindest auf den Level bringen, dass sie mir die Freiheit geben alle meine Stärken einsetzen zu können. Viele Menschen haben z.B. eine totale Schwäche im Umgang mit Geld. Soll ich das ignorieren mein Leben lang und einfach sagen, ja, ich kann halt mit Geld nicht umgehen? Finde ich etwas schwierig diese Einstellung. Ich muss ja kein Finanzexperte werden, mich nicht jeden Tag mit Geld beschäftigen. Aber ich muss soweit klar kommen mit dem Thema, dass ich die Möglichkeit habe, alles andere in meinem Leben tun zu können.

 

Dirk: Ich habe bei mir mit dem Thema Schwächen festgestellt, dort wo meine Zweifel und Ängste waren – insbesondere auch vor Gruppen und Menschenmassen zu reden – und ich diese überwunden habe, sind große Potentiale bei mir frei geworden. Das merke ich auch bei meinen Seminarteilnehmern: Viele Menschen haben Zweifel und Ängste, aber wenn sie die besiegen, dann gibt’s auf einmal einen Schub nach vorne. Als wenn eine Rakete gezündet worden wäre. Kennst Du das?

 

Steffen: Ja, absolut. Am Ende ist jedes negative Gefühl auf eine Form von Angst zurück zu führen. Und Selbstvertrauen hängt direkt an der Angst, denn das Gegenteil von Selbstvertrauen ist der Selbstzweifel. Sprich, warum haben Menschen Probleme mit ihrem Selbstvertrauen? Weil sie Angst vor Versagen oder vor Ablehnung haben, also nicht genug zu sein. In dem Moment, wo ich etwas tue was ich mich bisher nicht getraut habe, mache ich eben die Erfahrung, dass es doch geht auch wenn es noch nicht perfekt ist.  

Meinen ersten Vortrag werde ich nie vergessen: Ich habe hier in Vilsbiburg, in meiner Heimatstadt, den größten Kinosaal gebucht mit immerhin 180 Plätzen. Der war schon nach kürzester Zeit ausverkauft, weil allein bestimmt 100 Leute sehen wollten, wie ich mich blamiere. Mein Vortrag war eine echte Katastrophe! Ich hätte den Leuten eigentlich das Geld zurück geben müssen.

 

Dirk (lacht): Wie lange hast Du gesprochen? Eine Stunde?

 

Steffen: Mit einer Pause waren es zwei mal 60 Minuten und ich habe alle Amateurfehler gemacht: Mit einem Ansteckmikro gesprochen, vorher nicht getestet, dann hat’s gerauscht und dieser Kinosaal war für alles ausgelegt, aber bestimmt nicht für Vorträge usw. Schlechtes Licht, dann doch mit dem Handmikro gesprochen – es war ein völliges Chaos. Und dann war ich natürlich noch unsicher in den Inhalten, hatte sogar einen Zettel in der Hand, weil ich teilweise nicht mehr wusste, wie es weitergeht. Es war eben eine völlige Katastrophe. Dann gehen die Leute irgendwann heim und ich packe meine Sachen. Dann kam irgendwie ein magischer Moment: Ich dachte mir, das war mega scheiße, aber Respekt das ich mich das getraut habe. Von den 180 Teilnehmern hätte sich keiner getraut, sich da vorne hinzustellen und so einen Vortrag zu halten. Da habe ich das erste Mal Respekt vor mir bekommen. Da dachte ich: Du bist ja eigentlich schon eine coole Bretz’n, dass Du das machst! Und dann kommt dieses Krieger-Gen: Es kann nicht sein, dass ich das nicht besser kann. Und dann sagst Du Dir, ok das MUSS besser gehen. Ich kann mit Niederlagen ganz schlecht leben. Und was habe ich dann gemacht? Den gleichen Kinosaal am nächsten Tag noch mal gebucht für zwei Monate später, den Saal noch mal voll gemacht und das zweite Mal wars besser.  

 

Dirk: Meine erste große Veranstaltung war damals im Maritim in Köln. Da bekam ich einen Anruf, Herr Schmidt möchten sie nicht einen Vortrag halten? Ja, sage ich, gerne. Dann frage ich nur, wann ist der Vortrag und wie viel Gäste kommen denn? Und da sagte die Dame am Telefon: 1.000 Teilnehmer. In dem Moment, wo die die Teilnehmerzahl sagte, war ich nass geschwitzt. Diese Aufregung und das Adrenalin. Aber ich habe es direkt als Chance gesehen. Um mich darauf vorzubereiten, habe ich mir damals den Saal aufschließen lassen und bin auf diese Bühne gegangen. Dann habe ich mir in meinem Kopfkino vorgestellt, dass der Saal voll ist – da schlottern Dir schon die Knie. Ich brauchte ja ein Gefühl, das positiv ist und dann bin ich so lange da stehen geblieben, bis ich dieses Gefühl hatte, dass die Zuschauer klatschen und lachen. Und diesen Moment habe ich mit nach Hause genommen. Dann kam der Tag und natürlich war ich aufgeregt, aber ich hatte keine Angst. Ich habe das im Kopf ja hunderte Male durchgespielt. Und dann dieser Vortrag vor 1.000 Leuten, das war eine riesige Lernerfahrung. Ich habe natürlich auch meine Fehler gemacht, aber ich war ein bisschen stolz auf mich. Kennst Du das?

 

Steffen: Das ist genau das, was ich gerade beschrieben habe. Du wächst nur dort, wo der Schmerz ist. Da wo die Angst ist, da geht’s lang sagt man. Viele fragen mich, wie trainierst Du Dein Selbstbewusstsein. Und da gibt’s einen ganz einfachen Trick: Tu jeden Tag eine Sache, die Dir ein bisschen schwer fällt. Die außerhalb Deiner Komfortzone ist, die ein bisschen unangenehm ist. Das kann auch schon mal ein Telefonat oder ein Gespräch sein oder die Viertelstunde Joggen. Es geht nur darum, sich mal über diese rote Linie um uns herum zu trauen. Aber nicht die ganze Zeit. Das man ständig aus der Komfortzone heraus muss, ist ein totaler Quatsch, das ist eher gefährlich. Aber immer mal punktuell raus aus der Komfortzone, das bringt Wachstum.  

 

Dirk: Die Komfortzone ein bisschen dehnen und erweitern. Und immer wieder mal zurück.

 

Steffen: Ja, das ist wie beim Haus. Du bist ja nicht immer außerhalb Deines Hauses, Du willst ja eine Sicherheit haben, eine Heimat, wo Deine 4 Wände sind. Aber wenn Du permanent in Deinen 4 Wänden bist, ist das Leben ziemlich einsam und die Welt wird sehr klein. Da gibt’s ja diese schönen Satz: Viele sterben schon mit 35 obwohl sie erst mit 75 begraben werden. Das ist genau dieser Punkt. Die hören auf zu leben und bleiben an dieser Stelle stehen und verwalten nur noch ihr Leben in dieser Welt in der sie sich auskennen und trauen sich zu wenig, auch mal raus zu gehen und festzustellen, dass da draußen noch ein Leben statt findet.

 

Dirk: Hast Du ein Erfolgsrezept? Hast Du Strategien, wo Du sagst nach dem ersten, zweiten, dritten Schritt stellt sich Erfolg ein?

 

Steffen: Ja klar, es gibt aber nicht das eine Rezept, mit dem man grundsätzlich immer erfolgreich sein wird. Das kommt ein wenig aufs Thema an. Wenn man es mit Schritten definieren würde, sollte man sich erst mal die Frage stellen, was soll am Ende anders sein als am Anfang? Woran kann ich meinen Erfolg messen? Woran erkenne ich, dass ich etwas verändert habe? Ist das ein Gefühl, eine Zahl? Ich glaube alles, was Du nicht messen kannst, kannst Du nicht verbessern. Es muss irgendwie messbar sein.  Wenn das klar ist, musst Du einen Emotionscheck machen. Also, nicht WAS will ich, sondern was will ICH – die Betonung auf dem Ich.  

 

Dirk: Also, positive Emotionen dabei zu empfinden?  

 

Steffen: Ja genau. Sich zu fragen, ist das auch wirklich mein Ziel? Es gibt Ziele, die sind unserem Herzen im Weg, weil es eigentlich Ziele von anderen sind. Ein paar Meter weiter ist das Büro von meinem Vater, er ist Steuerberater und das bis heute mit wachsender Begeisterung. Ich dachte immer, ich werde irgendwann auch Steuerberater. Als ich gemerkt habe, dass meine Tennis-Karriere langsam ausläuft habe ich mir gedacht, studierst Du erst mal Betriebswirtschaft und steigst in diese Kanzlei ein. Das hat mich total unglücklich gemacht. Aber nicht weil Steuerberater ein schlechter Beruf ist. Die Kanzlei läuft super, der Job ist super, aber eben nicht für mich. Und warum wollte ich das? Ganz einfach, weil ich früher immer in seiner Nähe war, wenn er gearbeitet hat. Für mich war das positiv verankert und ich weiß, dass ihn das glücklich gemacht hätte, wenn ich seinen Beruf erlernt und seine Firma irgendwann übernommen hätte. Ich bin ja das einzige Kind und würde da das Lebenswerk meines Vaters übernehmen. Das habe ich abgesagt, habe quasi mein Erbe ausgeschlagen. Das ist ein tiefes, emotionales Thema das Du mit Dir ausmachen musst, vor allem als Sohn. Ich habe einfach sein Ziel verfolgt, ohne das mein Vater mir das aufgedrückt hätte, das kam einfach so. Das läuft total unbewusst ab und als ich erkannt hatte, ich verfolge da ein Ziel das meinem Herzen, meiner eigentlichen Leidenschaft, meiner Berufung im Weg steht – erst, als ich das los gelassen habe, habe ich mein eigenes Ziel erkannt.  

Das ist wichtig, mach es erst messbar und was ist wirklich Dein Ziel, Deine Vision und definiere die Schritte, die jetzt zu tun sind. Und wenn Du Schritte kennst, die auf dem Weg zu Deinem Ziel liegen, dann definiere auch, was sind mögliche Rückschläge. Was könnte passieren? Da auch mal in einen kreativen Prozess gehen. Ich nenne das selektives, negatives Denken. Dieser ganze Positiv Denken Bullshit geht mir ziemlich auf die Eier ehrlich gesagt. Positiv Denken ist zwar eine wichtige, tolle Geschichte, aber dieses Zwanghafte geht völlig an der Realität vorbei.  

 

Dirk: Das ist Theorie aber keine Praxis. In der Praxis gibt’s immer Niederlagen.

 

Steffen: Genau! Das ist ja total wichtig, dass ich mich mit dieser Schattenseite beschäftige, denn die Welt und das Leben sind polar. In meinem Buch „Totmotiviert“ haben die Huberbuam das Vorwort geschrieben, das sind zwei der erfolgreichsten Kletterer der Welt und mit denen habe ich mich über das Thema auch unterhalten. Sie meinten, wenn sie sich nicht mit möglichen Risiken, mit schlechtem Wetter, mit Abstürzen oder Verletzungen beschäftigen würden im Vorfeld, dann wären sie schon längst tot. Kurzfristig selektives-negatives Denken um zu schauen, was könnte denn eigentlich schief gehen, um dann in den nächsten Schritt zu kommen, was ist meine Reaktion darauf, wenn es eintreten würde. Nicht im Sinne einer „self-fulfilling prophecy“, wenn ich darüber nachdenke, dann passiert es auch. Es kann sein das es nicht passiert. Aber wenn’s passiert, dann brauche ich eine Reaktion, einen Match-Plan oder Plan B – wie auch immer, Du es nennen willst. Das ist, was die meisten Leute nicht machen. Sie haben ein Ziel, wissen was zu tun ist und dann gehen sie los. Zum Beispiel das Ziel: Ich will jetzt 15kg abnehmen. Dann kommt etwas dazwischen, ich bekomme eine Lungenentzündung, die Kinder sind krank oder es hagelt. Dann haben die meisten Leute keinen Plan, was passiert denn jetzt? Wie ist denn die Reaktion? Sie haben nur ein schlechtes Gewissen, sind frustriert, haben aber keine Reaktion. Das wäre für mich der vierte und entscheidende Schritt auf dem Weg zum Erfolg.

 

Dirk: Das macht dann ja was mit den Menschen, wenn sie keinen Plan B haben. Das zehrt am Selbstwertgefühl.

 

Steffen: Ja, das macht unsicher, weil Du merkst, jedes Ziel das Du hast, ist nicht unter Deiner Kontrolle. Du kannst es beeinflussen, Du kannst das Beste geben, auch im Sport: Du kannst den besten Trainer haben, so viel und hart trainieren wie kein anderer und Dich so gut ernähren und den besten Mentalcoach haben – am Ende gibt’s Einflussfaktoren von außen, die Du nicht beeinflussen kannst. Schiedsrichterentscheidungen zum Beispiel oder der Gegner hat den besten Tag seines Lebens und ist nur um 1% besser als Du – Du kannst es nicht beeinflussen. Überall wo wir das Gefühl haben, dass wir keine Kontrolle haben, macht uns das Angst. Warum haben Menschen Angst auf eine Bühne zu gehen und zu reden? Weil sie der Meinung sind, sie müssten den perfekten Vortrag halten. Du weißt aber, Du hast es nicht in der Hand ob’s der perfekte Vortrag wird. Es kann so viel passieren wie z.B. die Technik kann ausfallen, es kann einer Scheiße finden, Du vergisst den Text usw. Wenn Du Dich aber vorbereitest, angenommen ich würde einen Blackout bekommen, den Text vergessen, was ist meine Reaktion – wenn ich das plane, habe ich eine Option, die mir nicht mehr so viel Angst macht.

Das schlimmste was uns passieren kann, ist das Gefühl nicht mehr weiter zu wissen. Dann ist Schluss. Wenn da eine schwarze Wand ist, ist das ein Problem. Deswegen sage ich auch immer, setz Dir nie nur ein Ziel, sondern mindestens ein zweites dahinter. Im Sport hast Du ja das Thema Erfüllungsmelancholie: Du erreichst ein riesiges Ziel und jetzt? Da fallen die Sportler in ein schwarzes Loch, weil’s kein Ziel hinter dem Ziel gibt. Immer wenn eine schwarze Wand da ist, egal ob bei Erfolg oder Misserfolg, ist das ein mentales und emotionales Problem. Ich würde immer weiter denken. Jedes Ziel für das Du täglich arbeitest, muss einem weiteren Ziel dienen. Du brauchst etwas Höheres, Du musst Dich mit diesem Ziel in ein neues Ziel hinein entwickeln.  

 

Dirk: Ist das zum Beispiel eine Vision die hinten dran steht?

 

Steffen: Ja, das könnte eine Vision sein oder vielleicht auch etwas, das über Dich selbst hinaus geht. Nehmen wir mal Roger Federer als Beispiel. Der ist mein Jahrgang, 1981. Warum spielt der auf dem Level noch Tennis? Da müsste man ja meinen, der hat einen Vogel. Schon X-Mal Wimbledon gewonnen, X-Wochen die Nr. 1 der Welt, hat Geld – ich habe mir das mal durchgerechnet, das reicht fürs Meiste. Warum spielt der noch? Der hat alles gewonnen, mehr als Nummer 1 geht ja nicht mehr, da kommt nur noch die 0. Ganz einfach deswegen, weil er ein Ziel hinter dem Ziel hat. Viele Ziele, die wir erreichen wollen sind ja Ich-Ziele. Mein Erfolg, mein Geld, meine Titel usw. Alles gut, das brauchen wir. Aber sein Ziel ist, das er die Welt ein bisschen besser machen will. Er hat ja auch eine eigene Stiftung, die Bekanntheit, das Standing, die Prominenz die Akzeptanz und den Respekt dafür. Er spielt einfach deswegen gerne Tennis, weil er damit immer mehr Menschen erreichen und begeistern kann und damit auch immer mehr Geld verdienen kann, dass er re-investiert in z.B. diese Stiftung. Das heißt, er spielt schon lange nicht mehr nur für sich, seinen Titel, seine Weltrangliste oder sein Bankkonto Tennis. Er spielt für etwas Größeres.  

 

Dirk: Das macht ihn dann mental stark.

 

Steffen: Ja, weil es Dich unabhängig macht von einzelnen Siegen oder Niederlagen. Weil er weiß, trotz oder gerade wegen der Niederlage kann ich mich weiter profilieren, weiter entwickeln und mehr Respekt kriegen. Die meisten Sportler bekommen die Anerkennung durch ihre Tiefs. Als Roger Federer beispielsweise vor anderthalb Jahren diese schwere Verletzung hatte, da konnte er 8 Monate kein Tennis spielen. Da hat er noch mal einen großen Schub gekriegt, eine Wertschätzung, dass er in diesem Alter noch einmal zurück kommt. Dieses Tief hat ihm also geholfen, auf ein ganz anderes Level zu kommen. Da gibt’s viele Beispiele. Oliver Kahn hat die meiste Akzeptanz in Deutschland gekriegt, als er damals gegen Jens Lehmann diesen Zweikampf im Tor unseres Sommermärchens verloren hatte und nur die Nr. 2 war und Jens Lehmann die Nr. 1. Und als Nr. 2 trotzdem zur WM zu fahren, als Welttorhüter, diese Größe zu haben und ins Team zu investieren – das hat ihn glaube ich, in seiner eigenen Persönlichkeitsentwicklung weit voran gebracht hat und ihm auch großen Respekt gebracht hat.  

Es geht immer um etwas, dass über mich hinaus geht. Natürlich habe ich meine eigenen Ziele, aber ich habe auch immer Ziele für andere. Es ist wichtig, dass man Ziele auf zwei Säulen stellt. Nicht nur für sich, aber auch nicht nur für die anderen. Es gibt ja viele Menschen, die arbeiten nur für andere, die haben keine eigenen Ich-Ziele, sondern nur Wir-Ziele. Das ist auch schlecht.

 

Dirk: Wir brauchen also beides aus Deiner Sicht: Ich-Ziele und Ziele für etwas Größeres, für die Allgemeinheit.  

 

Steffen: Ganz genau, das kann auch für die Familie sein, meine Frau und für meine Kinder sein. Das muss nicht gleich der Weltverbesserungsgedanke sein. Für etwas, das über mich selbst hinaus geht.

 

Dirk: Guter Gedanke. Es gibt ja ein Gesetz der Resonanz, dass alles wieder zurück kommt was Du im Leben ausstrahlst. Das glaube ich auch. Du hast eben ja von Talent und Begabung gesprochen: Wir haben unseren Fleiß, mehr oder weniger, und wir haben eine mentale Einstellung mit der wir durchs Leben gehen. Welcher der drei Dinge ist für eine Persönlichkeit am wesentlichsten? Gibt es das?

 

Steffen: Nein, das gibt’s nicht. Das ist wie ein Kuchenrezept: Wenn Du einen Kuchen backen willst, dann brauchst Du Zucker, Mehl und irgendwelche Schokolade oder Obst – jetzt kommt hier der Backexperte (lacht). Wenn eins fehlt von dem Ganzen, dann ist der Kuchen kein leckerer Kuchen. Das heißt, ein erfolgreiches Leben besteht aus verschiedenen Bestandteilen und wenn nur ein Faktor fehlt, wird auch der gesamte Erfolg an diesem Faktor scheitern. Die Kette reißt an der schwächsten Stelle. Du kannst nicht bei einer Kette nicht sagen, welches der 10 Glieder ist jetzt das wichtigste. Es sind alle gleich wichtig, denn sie reißt an der schwächsten Stelle. So ist es bei der Persönlichkeit auch. Ich habe da ja ein Modell entwickelt, das ist dieser Stern der besteht aus fünf Bereichen der Persönlichkeit:

Das ist der Spirit, also Dein Geist, Deine Orientierung, das Mentale, das Emotionale, Dein Potential und das Aktionale, also Dein Handeln. Jetzt kannst Du fragen, welches ist das Wichtigste? Alles, weil ohne Spirit hast Du keine Orientierung, ohne Mentales kannst Du es mental im Kopf nicht planen, ohne die Umsetzung kannst Du es nicht umsetzen, ohne das Potential kannst Du es nicht verwirklichen und ohne die Emotion kannst Du es nicht fühlen – es gehört alles zusammen. Es ist wichtig zu erkennen, welche Bausteine der Persönlichkeit gibt’s überhaupt und welche kann ich gezielt beeinflussen, um meine Persönlichkeit weiter zu entwickeln und die Ziele zu erreichen, die ich erreichen will.  

 

Dirk: Hast Du auch mal Tage, wo Du demotiviert bist?

 

Steffen: Nein. Die habe ich nicht.  

 

Dirk: Nie? Keine Tage wo Du sagst, ich habe keine Lust etwas zu tun, dass Du Dir vorgenommen hast?

 

Steffen: Es gibt an einem Tag manchmal eine einzelne Aufgabe, wo ich stattdessen lieber etwas anderes machen würde. Ich glaube, jemand der viele Motivationslöcher hat, der hat kein Motivationsproblem sondern eher ein Inspirationsproblem. Die Motivation ist praktisch der Strom aus der Steckdose, da versuche ich mich aufzuladen, da gehe ich mal zu einem Seminar oder Vortrag, schaue mir ein Video an oder kaufe ein Buch, höre mir einen Podcast an usw. Das ist wie Essen, am besten zwei oder dreimal täglich. Die Frage ist ja, wie kommt der Strom in dieser Metapher in die Steckdose. Die Inspiration ist sowas wie die Sonne. Die Ursprungsquelle von Energie. Solange Du Deine Inspiration für Dich nicht gefunden hast, wirst Du immer starke Motivationsschwankungen haben. Ich habe für mich das Glück, diese Inspiration vor vielen Jahren gefunden zu haben. Deswegen ist Motivation für mich ein natürlicher Zustand, der sich einfach einstellt. Ja, es gibt manchmal Dinge, die sich nicht immer angenehm anfühlen. Aber es gibt ja diesen schönen Satz, wenn Du Dein Warum kennst, hältst Du auch jedes Wie aus. Das Wie ist manchmal anstrengend. Das ist das Verhalten und manchmal auch die Aufgaben.

Ein Beispiel: Seminare halten ist geil. Für mich ist das das Geilste, aber Seminare vorbereiten ist zum Kotzen. Ich hasse Seminarvorbereitung. Gehört dazu, das ist der Punkt. Oder Steuer machen. Für mich völlig langweilig, vollkommen überschätzt. Aber es ist Teil des Business und gehört dazu. Bin ich da unmotiviert? Weiß ich nicht. Ich kann Dir sagen, ich habe keinen Spaß an dieser Sache, aber ich habe Spaß an meiner Vision und ich weiß, es ist Teil dieser Vision und somit kann ich mich trotzdem dafür motivieren.  

 

Dirk: Du denkst dann an das Größere hinten dran?

 

Steffen: Ja, denk immer daran, was ist das was ich bewirken will. Das hilft!

 

Dirk: Es gibt ja viele Kollegen von uns die sagen, drück den Knopf oder jenen Knopf, dann bist Du wieder motiviert und hast Deine Inspiration. Gibt es sowas Steffen?

 

Steffen: Ja klar, natürlich kannst Du einzelne Knöpfe drücken. Die Frage ist dann aber, wie lange läuft das Duracell-Häschen? Man kann von außen auch motivieren, das ist ein neuro-biologischer Fakt. Es gibt Studien dazu, wenn ich einem Menschen eine Aufgabe gebe und ein Belohnungsversprechen gebe z.B. Geld, diese ganze Inzentivierungsnummer, variable Gehaltsanteile – also alles wie Motivation funktioniert, da ist Fakt, dass das im Gehirn die Belohnungsszentren aktiviert. Das kann man nachweisen und heutzutage bildlich darstellen. Die Frage ist nur, wie lange hält’s? Natürlich gibt’s Motivationstechniken, mit denen kann ich Menschen kurzfristig zu Top-Leistungen oder zu Mehr-Leistungen anzutreiben. Im Sport die berühmte Kabinenansprache, das kann ich schon machen. Bloß, die verbraucht sich mit der Häufigkeit. Einmal in der Kabine anschreien bringt viel, ein zweites Mal wirkt’s schon weniger und beim dritten Mal lacht die Mannschaft innerlich. Und so ist das mit allem, mit positiver Motivierung oder negativer Motivierung, alles verbraucht sich und alles hat ein Ablaufdatum. So ist das mit der Motivierung von außen.  

Ja, es gibt Techniken, den inneren Schweinehund zu überwinden und ich habe da auch ein paar, manchmal hilft das. Aber das ist nicht die Lösung für Dein Problem, wenn Du das Gefühl dieses Leben oder dieser Beruf den Du momentan hast, erfüllen Dich nicht. Wenn Du Urlaub brauchst, um Dich von Deinem Leben oder Beruf zu erholen, dann hast Du den falschen Beruf und lebst falsch. Deswegen ist Urlaub aber trotzdem eine tolle Geschichte. Urlaub kann man genießen, weil man neue Eindrücke bekommt, neue Erlebnisse, aber wenn ich es brauche, um mich zu erholen wird’s schwierig. Du kannst Dich am Wochenende an zwei Tagen nicht von fünf Arbeitstagen erholen, das ist nicht in Balance. Du kannst Dich nicht in drei Urlaubswochen von 49 Arbeitswochen erholen und nicht in 20 glücklichen Jahren am Lebensende von 42 oder 45 unglücklichen Arbeitsjahren erholen – das geht sich nicht aus. Work-Life-Balance funktioniert an der Stelle nicht. Es ist Deine Aufgabe, Dein Leben so zu führen, dass Du grundsätzlich schon mal die Energie hast, durch das was Du jeden Tag tust. Und nicht, dass Du eine Oase brauchst, wo Du Deine Energien auflädst. Das ist der falsche Ansatz.

 

Dirk: Da sind wir wieder beim Thema: Die meisten haben Angst vor der Veränderung. Die wissen, sie tun etwas wegen des Geldes und weil sie vielleicht falsche Glaubenssätze haben, aber verlassen ihre gewohnte Komfortzone nicht und besiegen ihre Ängste und Zweifel nicht.  

 

Steffen: Udo Lindenberg hat ja mal gesagt, eigentlich bin ich ganz anders, ich komme nur nicht dazu. Das ist ein interessanter Satz, wenn man mal drüber nachdenkt. Das heißt eigentlich, dass dieser Selbsterkenntnis-Prozess ein wesentlicher wäre, um manchmal ein paar neue Dinge zu wagen.

 

Das war der zweite Teil des interessanten Interviews mit dem Coach Steffen Kirchner.

Weitere Informationen über Steffen und seine Arbeit findest du unter: https://www.steffenkirchner.de/

Du hast in diesem Podcast erfahren, wie Du:

  • Dir ein starkes Selbstvertrauen aufbauen kannst
  • wie Du Deine Ängste und Zweifel dauerhaft besiegen kannst

 

Wenn Du Dir in Deinem Leben auch eine mentale Stärke antrainieren möchtest, dann komm zu meinem Tagesseminar Gewonnen wird im Kopf. Komm zu meiner Veranstaltung und starte mit dem Leben, dass Du Dir wünschst.

Weitere Informationen zu dem Seminar findest Du im Online-Shop: https://www.dirkschmidt.com/shop/produkt-kategorie/tickets/ Wenn Du zu meiner Veranstaltung kommen möchtest, dann beachte den Bonus weiter unten. Ich freue mich sehr auf einen fantastischen Tag mit Dir bei meinem Seminar Gewonnen wird im Kopf und ich kann Dir jetzt schon eins versprechen: Du wirst diesen Tag niemals in Deinem Leben vergessen!

    

Falls Du ein Feedback hast oder wenn Du Fragen hast, schreibt mir eine E-Mail an: info@dirkschmidt.com

Meine Bitte:

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Ich danke Dir!

Vielen lieben Dank, dass Du dabei warst und wir hören uns in der nächsten Folge wieder.

Dein Dirk


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