Interview Blog Dirk Schmidt

Marathon-Gespräch mit Stephan Freigang

Geschätzte Lesezeit für diesen Beitrag: 12 Minuten, 37 Sekunden

Stephan Freigang (* 27. September 1967 in Hohenleipisch, Brandenburg) ist ein ehemaliger deutscher Langstreckenläufer.

Er wurde 1986 jeweils Vierter der Junioren-Weltmeisterschaft im 10.000-Meter-Lauf und im 20-Kilometer-Straßenlauf, lief 1987 seinen ersten Marathon und gewann ein Jahr später den Fukuoka-Marathon in 2:12:28 Std.

1989 war seine Sportlerkarriere durch einen schweren Motorradunfall in Frage gestellt, aber er lief sich 1990 wieder an die deutsche Spitze mit einem Sieg beim Berliner Halbmarathon und einem vierten Platz beim Berlin-Marathon in seiner persönlichen Bestzeit von 2:09:45.

Bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona wurde er Dritter im Marathonlauf.

1994 gewann er den Frankfurt-Marathon, 1997 den Köln-Marathon und 1998 den Hannover-Marathon. Durch seinen zweiten Sieg in Frankfurt im selben Jahr wurde er Deutscher Meister im Marathon.

Es folgten 1999 ein zweiter Sieg beim Hannover-Marathon, 2000 ein Sieg beim Leipzig-Marathon und 2001 ein Sieg beim Lissabon-Marathon.

Anfang 2005 zog er sich vom Leistungssport zurück.

Der Motviationstrainer Dirk Schmidt unterhielt sich mit Stephan Freigang:

Aus welchem Grund laufen Sie?
Aus dem Grund eigentlich, weil es sich so entwickelt hat, das könnte ich profan behaupten. Ich bin ein Kind der DDR Kinder- und Jugendsportschulen und über diese kürzere Distanz hat man mein Talent entdeckt. Ich bin dann hier weiter ausgebildet worden. Im war für Laufe der Zeit dann doch für die 1500 – 3000m zu langsam und habe dann doch schon mit 20 Jahren meinen ersten Marathon gewonnen. Es ist auch unter diesem Leistungsaspekt zu sehen, der war 2:10:37 Stunden doch eine ganz gute Geschichte und siehe da, da war doch der Marathon Läufer Stephan Freigang geboren.

Also, aus der Kurzstrecke heraus geboren?
Richtig, richtig, also über diese, was man auch über das Alter läuft, einfach mal als Idee Marathon zu probieren und dabei ist es geblieben. Sicherlich mit dem Hintergrund, mittlerweile seit der Wende, auch der finanzielle Aspekt. Das heißt ich verdiene mit dem Laufen mein Geld. Ich verdiene mit dem was rundherum sich gruppiert, wie Provisionsverträge, Ausrüstungsverträge etc. Das ist eigentlich im Prinzip momentan der Antrieb, also um gesund zu bleiben oder sich zu bewegen. Muss man sich ja nicht 250 oder 300 Kilometer trainieren halt das ist ja auch dieser Unterschied. Für mich ein Brot Erwerb.

Worauf muss der Anfänger achten?
Das ist wie mit den anderen Dingen, dass man wirklich maßvoll beginnt. Viele fangen an zu laufen und dürften es eigentlich noch gar nicht. Nicht weil sie es nicht können, laufen kann eigentlich jeder. Nur das ist eben bei vielen diese Dinge, die ihm zum Laufen treiben, also der eine möchte Gewicht verlieren oder er fühlt sich unwohl und hat beim Arzt gesagt bekommen, dass man Herzinfarkt gefährdet ist oder wie auch immer. Die Leute, die auch immer zu viel wollen, jemand der dann doch den sanften Einstieg möchte, das heißt über das walken, wobei das jetzt ein bisschen trendy ist, so den Weg zum Laufen zu finden. Also, nicht sofort mit Macht. Die Frage eines Ausgangschecks stellt sich nach wie vor!

Wie kann man gezielt nun seinen untrainierten Körper in Schwung bringen?
Also, eine gute Möglichkeit, die ich auch für mich im Laufe der Zeit entdeckt habe, ist natürlich die Frage des Herzfrequenztrainings. Das heißt durch die Kontrolle der Herzfrequenz bekomme ich eine gewisse Bewegungsintensität vorgegeben.
Einmal die Woche laufe ich, aber die anderen beiden Male fahre ich nur Fahrrad oder mache irgendwas anderes. Also, ich bin nicht der ganz Verfechter, nur Laufen ist Sport, sondern ich bin der Meinung, mittlerweile, hauptsache die Leute bewegen sich. Irgendwann findet dann jeder zum Laufen, denke ich doch.

Was ist das Besondere am Laufen?
Das Besondere finde ich eigentlich persönlich, diese natürliche Fortbewegungsart. Das ist also seit der Menschwerdung mitgegeben, dass wir uns auf 2 Beinen bewegen sollten. Wir brauchen also keinerlei technische Hilfsmittel wiederum. Also, jetzt mal von den Schuhen abgesehen. Aber eigentlich bräuchten wir sonst nichts und laufen können sie überall, also es ist an nichts gebunden. Nur an den eigenen Antrieb.

Wie viele Kilometer laufen Sie in der Woche?
Also, momentan ein bisschen weniger, weil ich voraussichtlich eine berufliche Perspektive vorantreiben will, aber es sind dann schon 150 bis 180 Kilometer im Schnitt zusammen.

Wie überwinden Sie Ihren inneren „Schweinehund“?
Also, es ist erstmals, wie gesagt, dieses Phänomen wenn ich wirklich dann aus Affektgründen einmal mal länger als 2 Tage nicht laufen kann, dann kommt automatisch das Unwohlsein, das mich regelrecht dazu zwingt, dass ich mir die Schuhe unterschnalle. Ansonsten habe ich mir eigentlich angewöhnt, einen gewissen Rhythmus einfach sich selbst dort auf zu erleben. Dass man wirklich, wenn man einen Trainingstag angesetzt hat, dass man das wirklich vormittags absolviert. Ich versuche, das vormittags zu erledigen, weil nachmittags sich die Dinge stauen. Wobei ich meinen Leuten rate, wenn man noch nicht so tief drinsteckt, sich einfach mit anderen zu verabreden. Das ist ja dann immer wieder das Gruppenerlebnis durch den Zwang, der dahinter steht.

Dann entsteht also eine Gruppendynamik?
Ja, ja das tauscht sich aus. Man lernt neue Leute kennen. Das Empfinden und das, was im Körper passiert ist ja bei allen ähnlich, wenn man sich bestätigt fühlt. Das gibt demjenigen auch neuen Mut und neue Kraft, dabei und zusammen zubleiben.

Was waren Ihre schönsten Erlebnisse beim Laufen?
Die schönsten Erlebnisse waren als ich in Kenia war. Das Training, das Land, die Leute. Die Lebensumstände dort, wie wenig viel sein kann oder solche Dinge, was für uns wichtig ist, was für die Menschen dort überhaupt keine Rolle spielt. Dann geht es darum, ob wirklich genug zu essen da ist. Klares Wasser ist für die Leute das A und O. Das sind Dinge, über die wir uns keinen Kopf mehr machen, in Europa, wie gut es uns eigentlich geht. Wie wenig es wiederum bedarf auch glücklich zu sein! Das hat mich schwer beeindruckt. Ja, und dann natürlich das Erlebnis, dort zu laufen, also diese Talentfülle, die wir ja in Deutschland nicht haben. Ich habe dort an den kenianischen Crossmeisterschaften teilgenommen, dort waren über 300 Läufer am Start. Im Vergleich zu einer Deutschen Crossmeisterschaft, was so ein ähnlicher Wettbewerb wäre, wenn sie mit 50 Leuten unterwegs sind, dann ist das schon viel. Da sieht man mal die Verhältnisse. Es ist für viele die einzige Möglichkeit, einen gewissen sozialen Status zu erlaufen. Mehr Chancen bietet ihnen das Leben dort unten nicht, und der ist in Europa natürlich ganz anders.

Woher kommt dieser große Leistungsunterschied zwischen den afrikanischen Läufern und den europäischen Läufern?
Für mein Dafürhalten, ich glaube ich war mehr als zehnmal dort unten zum Training. Zum einen ist es diese Masse an Läufern, das Gesetz dieser großen Zahl, das da doch 2 oder 3 Läufer dabei sind, die da wirklich besser sind als alle anderen. Und zum anderen trainieren sie sehr hart. Sie machen einen „Morning run“ vor dem Frühstück, wenn die Sonne aufgeht. Sie sind um 6.00 Uhr auf den Beinen und rennen zuerst mal eine Stunde, dann wird bescheiden gefrühstückt, dann wird das zweite Mal trainiert und dann am Nachmittag noch mal. Das müssen Sie mal von 16 -jährigen europäischen Leuten, die denken, die Leistungssport zu betreiben, verlangen, das funktioniert gar nicht. Weil sie es einfach nicht mehr gewöhnt sind. Ich bin persönlich auch anders groß geworden, durch ein strafferes System. Das ist hier momentan nicht mehr so. Dazu kommt, dass sich gerade zum Beispiel bei den kenianischen Läufern nicht viele Möglichkeiten bieten. Dort spielt nur die Frage auf welche Strecke, es ist keine Frage welche Disziplin. Viele sind da einfach barfuss unterwegs. Das gibt das Klima und die geographische Lage her, das spielt auch eine spezielle Rolle. Für mein Dafürhalten ist es einfach der Druck durch die „Masse“ der Läufer sich durchzusetzen. Sie trainieren immer in einer Gruppe. Diese Gruppendynamik ist es was uns hier fehlt.

Neben diesen schönen Erlebnissen, gab es auch Pannen die Sie erlebt haben?
Die WM 1993 in Stuttgart. Als Olympiamedaillengewinner von Barcelona 1992 und einer der Favoriten dieses Rennens, und dann noch in Stuttgart bei der WM bin ich bei Kilometer 27 ausgeschieden. Und dabei war ich im Vorfeld von meinen Leistungswerten bedeutend besser als ein Jahr vorher. Ich war an diesem Tag nicht fit. Die Vorbereitung war optimal, gute Voraussetzungen mir antrainiert, aber ich konnte es nicht umsetzen, vor heimischem Publikum so sang und klanglos unterzugehen, das war für mich eines der prägendsten negativen Erlebnisse aus meiner Läuferkarriere.

Wie wichtig sind Ziele für Sie fürs Laufen? Arbeiten Sie mit Zielen?
Ja, mit Sicherheit. Es geht ja nicht nur im sportlichen Sinne um Ziele, sondern auch in der Arbeitswelt. Zielorientiertes Handeln kann an sich nicht falsch sein. Nur ist eben das eine, das was man sich vornimmt, und das andere sind die Möglichkeiten, die ich habe, dies umzusetzen.
Wenn das Wetter schlecht ist, Regen oder es schneit, dann ist es natürlich schwierig bestimmte Umfänge oder Zeiten zu erreichen, da müsste man den Plan auch anpassen. Ich habe ein bestimmtes Ziel für meine Saison. Ich weiß wie schnell ich dort rennen möchte. Es muss ein erreichbares Ziel sein und keine Fiktion. Klar würde ich gerne mal 2.06 Stunden laufen, aber ich denke das wäre jetzt mal sehr unrealistisch.
Ausgehend von diesem großen Ziel wird das eben runtergebrochen bis auf diesen Tagesplan. Diesen gilt es dann, abzuarbeiten.

Welchen Effekt hat das Laufen auf Ihren Geist und Körper, gibt es da einen Zusammenhang?
Das würde ich schon sagen. Was bei mir schon oft vorgekommen ist, ich habe auch in der Literatur bestätigt bekommen, dass Sie beim Laufen, wenn Sie ein moderates Training absolvieren, nicht mehr über jeden Schritt nachdenken. Das ist dann ein Automatismus, der da abläuft und da schweifen die Gedanken schon mal ab. Also da haben Sie die Möglichkeit über Probleme nachzudenken und manchmal sind auch erstaunliche Lösungen zu finden, die ohne Bewegung oder Training Ihnen so gar nicht in den Sinn gekommen wären.
Dieses Freilaufen, so nenne ich das, den Stress abzubauen, das ist ja alles nachgewiesen, dass das durch Bewegung passiert.

Wie viele Tage die Woche laufen Sie?
Jeden Tag, ich mache nie eine Pause.

Haben Sie Vorbilder?
Hatte ich mal ursprünglich, eigentlich nicht mehr. Ich hatte mir bei allen möglichen Läufern das Ein oder Andere angesehen, und gedacht, wenn du das auch könntest, dann wäre das toll. Werner Günther, der ein Repertoire von 800 bis 10000 Metern hat, der überall weltspitze war, fand ich beeindruckend oder Emile Zatopek der 3-mal Gold bei Olympia gewonnen hatte.

Ohne was könnten Sie nicht leben?
Wenn es den Sport als solches nicht mehr geben würde, ob ich dann nicht mehr leben könnte, weiß ich nicht. Das wäre aber eine Situation, mit der ich mich persönlich nicht anfreunden möchte. Ich finde es immer gut, wenn Leute von unterschiedlichen Kontinenten gegenüber im Wettstreit stehen und wenn es dann auch fair und sauber abläuft, dann ist das auch in Ordnung.
Auf ein Fernsehen und ein Auto kann ich verzichten, auf die materiellen Dinge. Auf der anderen Seite muss ich auch mobil sein, ich muss zu meinen Wettkämpfen hinkommen können. Unsere Gesellschaft ist ja auf Mobilität aufgebaut. Was mir ein wenig Leid tut ist, dass dieses materielle Denken immer mehr in den Vordergrund rückt. Das hat mir in Kenia gut gefallen. Da spielt es eigentlich keine Rolle, man teilt auch untereinander das letzte Hemd. Das ist in unserer Gesellschaft ein bisschen Abhanden gekommen.

Mit wem möchten Sie gerne einmal eine Stunde im Fahrstuhl eingeklemmt sein?
Es gibt viele interessante Persönlichkeiten aus der Geschichte heraus. Ich denke nicht sofort an eine Frau, das möchte ich mal klarstellen. James T. Kirk zum Beispiel oder selbst mit Cäsar! Wenn da jemand wäre, der ein Zeitzeuge sein könnte, und man sich mit dem mal 1 Stunde unterhalten könnte, das wäre schon interessant.

Wie motivieren Sie sich selbst?
Zum einem aus diesem gewissen Zwang heraus und zum anderen muss ich ja aus zweierlei Gründen laufen. Weil ich mich dann besser fühle. Weil ich für mich persönlich ein Programm und ein Ziel habe, ein Tagesziel, ein Wochenziel und weil ich meine Familie damit ernähre. Das sind ja so gewisse Zwänge, die ich habe, die ich aber als angenehm empfinde. Ich bin aber auch gerne bei den großen wie zum Beispiel bei den Krankenkassen, wo ich mit Leuten zusammen bin, die dass für sich nicht so verinnerlicht haben. Diese Brücke zu bauen ist für mich das Schönste. Am Ende eines Kurses, wenn die dann sagen: „…ich lauf weiter, ich mach weiter, wir treffen uns wieder.“ Das ist dann wieder, wo ich sage: „Da hat man wieder jemanden zu seinem Glück gezwungen, in indirekter Weise!“ Das finde ich dann schon sehr aufbauend.

Sie geben dann den Menschen auch etwas?
Ja, ich gebe ihnen was, und ich nehme auch etwas. Ich laufe ja weiter dadurch. Ich habe ja mal eine zeitlang in meinem Heimatort in einem Hotel gearbeitet. Im Managerbereich, und war dann auch für die Sportsachen verantwortlich. Ich bin dann auch mit Gästen immer wieder gelaufen. Damals habe ich auch nicht mehr so viel trainieren können. Und da war schon der ein oder andere, der mich gefordert hat. Mit meiner Erfahrung und meiner Ortskenntnis konnte ich das dann immer noch zu meinen Gunsten entscheiden. Aber da waren schon Momente, wo ich dachte: „…du musst wieder mehr trainieren das kannst du dir nicht erlauben, das da jemand schneller läuft als du!“ In einer Zeit, wo der Leistungssport nicht mehr diesen Stellenwert bei mir hatte. Danach habe ich ja wieder begonnen und versucht, diese Qualifizierung für die Olympiade zu erzielen. Wenn es naturgemäß nicht mehr so ist, dass der Sport die Hauptrolle spielt, dann möchte ich mir ein gewisses Leistungsniveau schon erhalten.

Was ist noch ein großer Wunsch oder Traum in Ihrem Leben?
Ja, den hatte ich. 2004 wollte ich für mich persönlich in Athen dabei sein. 2.14 Stunden, die zu Buche stehen, ist national gesehen nicht schlecht, aber international 2. oder 3.-klassig. Ich war zwar schon mal schneller, aber da war ich auch 25 Jahre, und jetzt bin ich über 10 Jahre älter. Ich sag mal: „…das ist nicht so schlecht, in dem Alter so schnell zu rennen, aber es reicht auch für ganz vorne nicht mehr!“ Das wäre mein Traum gewesen, mit dabei zu sein und vielleicht dann doch aufgrund der Hitzebedingungen und einer guten Vorbereitung vielleicht dann doch unter den ersten 20 zu sein. Was sicherlich möglich gewesen wäre. Für mich selbst auch diesen inneren Frieden zu finden. Weil der Start meiner internationalen Karriere im Prinzip 1986 in Athen war. Dort waren die ersten Juniorenweltmeisterschaften damals, und ich war 2 mal 4. über 20 Kilometer, und über 10000 Meter. Dann wieder dort hinzukommen, das hat man mir nicht gönnen wollen im DLV, wie auch immer.

Ich glaube Sie haben die Qualifikation um 2 Minuten verpasst?
Ja. Gut, man muss auch immer den Zusammenhang sehen. Es war eine Norm gewesen von 2.12.30 Stunden, die im September 2003 dann noch mal angehoben wurde auf diese 2.11 Stunden. Für alle, die sich da etwas ausgerechnet haben, war das auch ein Schock gewesen. Carsten Eich hat es auch ziemlich mitgenommen. Wir haben es probiert, es hat nicht gereicht, aber für mich persönlich war es halt schade. Ich hatte es mir innerlich schon ein bisschen ausgemalt dort hin zurückzukommen und zu laufen, und für mich den inneren Frieden einfach zu finden. Ich hätte dann für mich einen Abschluss gefunden. Jetzt sitze ich wieder hier und überlege was als Nächstes kommt.
Mittlerweile bin ich fast 30 Jahre alt und ich habe schon 20 Jahre Leistungssport hinter mir. Für mich ist das halt was möglich ist, vielleicht auch 2 Minuten weniger, aber mehr wird nicht mehr gehen. Das ist mir vollkommen klar. Aber es gibt niemanden, außer Carsten Eich, der das rennen könnte.

Wie viele Marathons sind Sie in Ihrem Leben schon gelaufen?
Es müssten so um die 28 sein. Ich habe mich auf mehrere vorbereitet und bin dann vorher ausgestiegen. Ich bin da immer noch mit mir im Zwiespalt, zähl ich die nun mit, oder nicht? Also ich denk die 28 ist schon eine gute Zahl.

Gibt es ein Lebensmotto, nach dem Sie leben?
Nein, nicht unbedingt. Ich würde mich mal als einen optimistischen Menschen einschätzen. Wobei es ist immer schwierig sich selbst einzuschätzen, oder wie einen die Umwelt sieht. Ich lebe jetzt nicht danach, dass morgen der letzte Tag wäre, aber mittlerweile versucht man die Dinge auch zu organisieren. Dass man auch schon mal Dinge, die man früher vielleicht nicht gemacht hätte, versucht jetzt wahrzunehmen. Das man versucht die Möglichkeit zu finden mit der Tochter mal nach Paris zu fahren. Wenn dann früher der Sport die Hauptrolle gespielt hat, wenn dann der oder der Wettkampf war und ich auf viele Dinge verzichten musste. Ich versuche sukzessive etwas nachzuholen, mit dem Zeitraum der Konsequenz die ich für meinen Sport gelebt habe, 24 Stunden Sport.

Wie oft waren Sie Deutscher Meister beim Marathon?
Ich glaube 3-mal. Man hat ja erst vor 3 oder 4 Jahren in Form eines Citymarathons, das Thema zu integrieren versuchen. Wobei Geld verdienen für mich wichtiger ist als der Meistertitel, davon kann ich mich ernähren und damit war es unternehmerisch eigentlich Quatsch bei irgendeinem Wald- und Wiesenmarathon mitzulaufen, weil dort die Deutsche Meisterschaft ist und dafür Berlin oder Boston auszusetzen. Das war dann doch entscheidender und in Abhängigkeit von den Ausrüstern, denen ist es auch wichtiger, dass man bei den großen Sachen vorne mit dabei ist, als Deutscher Meister, denke ich.

Wer ist der wichtigste Mensch in Ihrem Leben?
Karl Marx….war ein Spaß. Da möchte ich keinen herausheben. Da muss ich sagen mein intaktes Elternhaus, da habe ich eine ziemlich starke Bindung, mein Bruder, meine Familie, passt da alles. Wenn die da rausgerissen würden, wäre es was wichtiges, was fehlt. Meine Mutter war vor kurzem mal im Krankenhaus mit einem gewissen Verdacht und der hat sich zum Glück nicht bestätigt. Aber das war so ein Moment, wo man dann schon mal denkt, sie ist nicht mehr die Jüngste. Das ist dann schon ganz schwierig. Ich möchte da niemanden herausziehen wollen. Meine Freunde sind mir genauso wichtig, wenn da etwas passieren sollte, würde ich genauso Anteil nehmen. Das würde ich nicht von einem abhängig machen, das ist für mich eine Gesamtkonstruktion, die so steht. Und wenn eine Wand fehlt in diesem Haus, dann fängt es natürlich an zu wackeln.

Vielen Dank für das interessante Interview

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.