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Interview mit Sonja Oberem

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Motivationstrainer Dirk Schmidt interviewte vor einiger Zeit Sonja Oberem:

Sonja Oberem wurde am 24. Februar 1973 in Rheydt geboren. Sie ist eine deutsche Triathletin und Langstreckenläuferin.

Zuletzt startete die 1,70 m große und 50 kg leichte Athletin für den TSV Bayer 04 Leverkusen e.V., wo sie von Paul Heinz Wellmann trainiert wurde. 2007 wurde ihr Wechsel zu Rhein-Marathon Düsseldorf bekannt gegeben.

Wie sind Sie zum Marathon-Laufen gekommen?
Anfangs bin ich im Verein geschwommen, ein bisschen mit leistungssportlichem Ansatz aber eher weil dort meine Freundinnen hingingen. Durch den  Schwimmverein kam ich dann zum Triathlon-Sport und bin hier  Junioren Weltmeister geworden.
Es hat sich so entwickelt. Ich wollte gerne bei den olympischen Spielen mitmachen aber  Triathlon war noch damals noch keine olympische Disziplin also dachte ich mir, ich versuche mich einfach im Marathon. So hat es sich weiter entwickelt nach oben. Ich hatte sehr viel Glück in den ersten Jahren.
Aber die Konsequenzen zum jahrelangen Training haben sich schon ausgezahlt.

Neben Glück zählt ja auch Fleiß und hartes Training. Wie viele Std. haben Sie trainiert die Woche?
7 Tage die Woche 2 mal am Tag.. fast 20-30 Stunden kommen schon zusammen.

Für Nicht-Läufer bedeutet das schon harte Arbeit …
Ohne harte Arbeit geht es nicht – ohne Fleiß kein Preis. Bei mir kam auch noch Schule dazwischen und Abitur. Jedoch habe ich dann Gott sei Dank einen Studienplatz hier in Mönchengladbach bekommen an der Fachhochschule und studierte hier BWL studiert neben dem Sport. Jedoch zwei Semester länger als üblich, da Olympia dazwischen kam. Aber ich bin der Meinung, wenn man das will schafft man das auch. Es ist nichts unmöglich.

Hierbei muss der Wille ja schon groß sein…    haben Sie auch einen inneren Schweinehund der Sie manchmal von Ihrem Vorhaben abhält? Oder kennen Sie so etwas nicht?
Selten, habe immer Ziele  vor Augen gehabt. Entweder die WM oder olympischen Spiele,  ich wollte einen Marathon gewonnen oder Bestzeit laufe. Es kam sehr selten vor, dass ich dachte: „Nein, du gehst heute nicht laufen…“, da die Anderen Teilnehmer, dies ja auch taten und ich nicht schlechter sein wollte als diese.  Aber aufstehen und „…keine Lust heute“ das hat es noch nie gegeben!

Glückwünsch!  Was können Sie den Menschen sagen, was sind ihre Antreiber?
Spaß an der Sache ist der größte Antrieb den man haben kann wenn man etwas gut machen will! Ohne spaß geht gar nichts. Das heißt jetzt nicht, dass alles nur noch toll ist, und nichts mehr anstrengend sein muss um etwas zu erreichen.  Jedoch ist Hochleistungssport  keine Komfortzone in der man sich ausruhen kann. Und so verrückt das klingen mag, aber ich habe auch schon Spaß an dieser Anstrengung! Weil ich immer froh bin, etwas geschafft und erreicht zu haben und dies ist eine schöne Bestätigung für sich selbst und das spiegelt sich auch in der Leistung wieder.
Ich hatte zudem das Glück, dass ich das, was ich trainiert hatte im Wettkampf auch super umsetzen konnte, und mich hierbei sogar überraschenderweise oft übertroffen habe. Meine Trainings waren also meistens schlechter als das Ergebnis im Wettkampf!

Neben hartem Training und Konsequenz die auch dazugehört, wie wichtig ist für Sie eine mentale Einstellung / mentale Stärke für Sie bei der Vorbereitung?
Grade im Ausdauersport spielt die mentale Einstellung eine sehr große Rolle. Dies habe ich allerdings leider erst festgestellt, als ich den Sport nicht mehr so intensiv betrieben habe. In der Zeit wo ich wirklich auf höchstem Niveau trainierte, lief es einfach so zusammen – das körperliche und mentale Training. Aber mittlerweile denke ich, dass der Kopf, bzw. die mentale Seite im Sport grade im Marathonlauf eine sehr große Rolle spielt, weil man immer irgendwann beim Lauf an einen Punkt kommt, wo es keinen Spaß mehr macht und nur noch anstrengend ist und man denkt  „.. naja jetzt musst du halt noch 12 km laufen… du musst schneller laufen… nicht langsamer werden..“ Dies in so einem Moment dann auch durchzuziehen setzt schon eine mentale Härte voraus.  Allerdings muss das auch von selbst kommen. Am besten nicht viel drüber nachdenken während dem Rennen oder in Extremsituationen. Hier sollte man einfach den Körper machen lassen und sich selbst sein;  alles andere steht einem sonst nur im Weg.

Das ist gut, generell im leben, wenn man das kann.
Klar, weniger Nachdenken hilft in vielen Situationen schon extrem weiter, das stimmt. Wobei man ja immer dazu neigt, zu viel nachzudenken und immer alles abzuwägen. Manchmal sollte man einfach mal den Weg gerade aus gehen und weiter machen. Am Ende war es dann noch meistens richtig.

Haben / hatten sie während Ihrer Karriere Vorbilder?
Wenn ich ehrlich bin nicht. Ich fand, Michael Groß, war toller Schwimmer.  Er konnte ja nicht nur gut schwimmen, sondern er hat auch beruflich einiges erreicht.  Aber ein  richtiges Vorbild hatte ich eigentlich nicht. Ich bin der Meinung  jeder ist einzigartig-  ein Individuum und somit nicht vergleichbar mit einem Andern. Nicht vergleichbar in  einer Sache wie er was macht. Ich denke man sollte sich nicht zu viele Vorbilder suchen  und diese immer vor Augen haben, da man sich sonst selbst dabei vergisst.

Sie sprachen das Thema Ziele an – haben Sie heute noch Ziele?
Klar , ich habe immer noch Ziele! Ziele braucht man um motiviert zu sein; das ist ja nicht nur im Sport so! Natürlich braucht man Ziele, man will ja etwas erreichen, z. Bsp. ein Haus kaufen, Geschäftsführer werden, etc. In jedem Gebiet gibt es Ziele, die man erreichen möchte. Ich denke, ohne Ziele  wäre das Leben auch sehr leer.

Konnten Sie etwas aus Ihrer Sportlerkarriere in Ihr Berufsleben mitnehmen?
Ganz viel. Erst mal die Fähigkeit, Dinge durchzuhalten, auch wenn’s mal nicht so viel Spaß macht, oder diese Dinge langweilig oder anstrengend sind. Ebenso habe ich gelernt mit Niederlagen besser umzugehen. Auch wenn es mal nicht so gut läuft, es geht immer aufwärts, es gibt immer ein Weg heraus aus der Krise, heraus aus einem Tief. Die Welt geht deswegen nicht gleich unter. Es ist sehr wichtig, sich nicht immer nur auf eine Sache zu versteifen, sondern immer neben dem was man als Haupttätigkeit tut, eine andere Sache zu haben, die auch noch wichtig ist.
Bei mir war es Sport und daneben meine Freunde, die Schule, das Studium und die Familie, die mir auch immer sehr wichtig war.
Ich bin auf jeden Fall durch den Sport sehr viel konsequenter mit sich selbst geworden und schaffe es sehr gut, den inneren Schweinehund nicht allzu oft durchzulassen.

Können Sie uns eine Lebensweisheit schenken?
Lacht … so alt bin ich doch noch gar nicht! Aber was ich sagen kann:  Man sollte jede Möglichkeit nutzen um etwas zu tun, was einem selbst weiterbringt. Wer weiß ob diese Chance jemals wieder kommt. Somit ist meine Weisheit:  Nutze den Tag, carpe diem.

Was möchten Sie jüngeren Menschen mit auf den Weg geben?
Sich selber Ziele zu setzen und diese angehen und verfolgen! Diese Ziele sollten jedoch nicht so unerreichbar sein; manchmal bringen auch kleinere Ziele einem schon weit voran. Und die Ziele sollten aufeinander aufbauen. Es ist die Summe der kleinen Dinge, die einem im Leben voranbringt und nicht immer nur die großen Sachen. Es können große Sachen daraus werden, aber man sollte erst mal klein anfangen.

Vielen Dank, Frau Oberem, für das sehr interessante Interview!

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