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Interview mit Prof. Dr. Klaus Baum

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Prof. Dr. rer. nat. Klaus Baum wurde am 31.03.1957 in Mönchengladbach geboren. Seinen Wehrdienst absolvierte er als Leistungssportler (Volleyball) bei der Sportkompanie in Warendorf. Anschließend studierte er Biologie und Sport an der Universität zu Köln und der Deutschen Sporthochschule, Köln. Prof. Dr. Baum promovierte in Naturwissenschaften. Das Sportstudium schloss er mit Diplom ab. Die Habilitation erfolgte in Physiologie. Seit 2000 leitet er ein eigenständiges Trainingsinstitut in Köln. Privat hat er sich dem Marathonlauf verschrieben.

Der Motivationstrainer Dirk Schmidt interviewte Prof. Dr. rer. nat. Klaus Baum vor einiger Zeit:

Was macht Sie aus? Beruflich, privat, sportlich?
Ich bin harmoniefreudig und hab gerne ein gutes Team um mich rum. Vielleicht liegt das auch am Sport. Das trifft im Beruf jedoch genauso auf mich zu. Ich habe gerne Leute um mich herum und ich führe auch gerne Leute.
Ebenfalls bin ich schon immer ein ehrgeiziger Mensch gewesen. Ich habe mit 10 / 11 Jahren schon 3-4-mal die Woche regelmäßig Volleyball trainiert. Dadurch bin ich relativ schnell erwachsen geworden und  habe als vielleicht jüngster Spieler Bundesliga gespielt.

Wie motivieren Sie die Menschen um sich herum? Die Studenten, die Sportler, die Reha-Patienten?
Einmal durch die Art der Ansprache. Ich glaube, dass Kommunikation das wesentliche Element ist. Ob ich nun in der Reha mit einem Herzpatienten arbeite oder mich in der Vorbereitung auf eine WM mit einem Handball-Nationalspieler befinde.

Ist es beides vergleichbar?
In Richtung Motivation ein Stückweit ja. Motivation erwächst aus dem Wissen, dass das was ich tue, sinnvoll ist. Ebenfalls bin ich überzeugt davon, dass ein stückweit Vorbildcharakter wichtig ist. Man soll erkennen, dass ich zu 100% hinter dem stehe, was ich da mache.  Also zu einem Athletiktrainer der mit einem schönen runden dicken Bierbauch davorsteht, ist aus meiner Sicht schon schwieriger aufzusehen, als zu jemand dem man ansieht, dass er auch verinnerlicht, was er da gerade tut.

Erzählen Sie den Leuten, die Sie trainieren auch von Ihren Marathonläufen?
Ich nutze es manchmal um Leuten klar zu machen, dass auch im dichtgedrängten Zeitrahmen eines  Unternehmers – und ich bin nun mal in erster Linie Unternehmer – noch immer Zeit genug ist für solche Dinge. Und Marathon wird natürlich zu Recht verbunden mit langfristigem Training und mit relativ großem Zeitaufwand – und Umfang.

Wie oft und wie viele km laufen Sie so in der Woche?
Aktuell wenig. Wenig heißt, ca. 2-3-mal die Woche. In Hochzeiten während der  Vorbereitung laufe ich 4-5-mal die Woche.
Meine Bestzeit liegt bei 3:04 und da bin ich 70 km im Schnitt die Woche gelaufen. Das schaffe ich derzeit zeitlich nicht – hier kommt jetzt wieder der Manager durch – und ich habe mittelprächtig Probleme mit meinen Achillessehnen-Ansätzen an meinem ganzen Versenbereich. Deswegen habe ich meine Laufleistung die Woche auf ca. 40 bis 50km runtergefahren.
Ich bin in den letzten Jahren auch nicht mehr so sehr vom Ehrgeiz zerfressen.  Ich weiß, dass ich die 3:04 nicht mehr erreichen werde und laufe jetzt nur noch weil es mir Spaß macht.

Was ist das besondere für Sie beim Laufen?
Ich bewege mich gerne und  am Laufen finde ich faszinierend, das s man sich in relativ kurzer Zeit unbekannte Gegenden erlaufen kann.  Dann fühle ich mich wohl und weiß, ich habe etwas Gutes für meine Gesundheit und mein Wohlbefinden getan.

Sie Sind ja mit dem Ballsport großgeworden. Wie sind Sie denn zum Marathonlaufen gekommen?
Als ich endgültig mit Volleyball aufgehört habe – damals war ich 34 Jahren alt – musste ich ja etwas machen. Ich hatte natürlich den Drang und festen Willen mich weiter zu bewegen. Wenn man regelmäßig trainiert hat, fehlt  einem das. Und zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nicht die Schönheit des Laufens entdeckt – ich fand es fürchterlich. Man konnte mich als junger Spieler mit der Höchststrafe belegen wenn einer sagte:  „Du läufst jetzt mal 10 km…!“ Fand ich schrecklich.

Welche Motivation steckte dahinter es dennoch zu tun?
Die Motivation war tatsächlich der Marathon als solches. Ich fand das faszinierend einmal einen Marathon laufen zu können. Es war nicht der feste Wille, zu Laufen, sondern zu erleben wie das ist wenn man dann nach 42,195 km ins Ziel reinfällt.

Und wie ist das?
Fantastisch! Und jedem Erstläufer kann ich nur raten, sich ganz bewusst einen schönen 1. Lauf auszusuchen mit entsprechendem Umfeld. Also ich habe es erlebt und viele die ich im Nachgang gesprochen habe sagten es genauso, dass der 1. Lauf den intensivsten Eindruck hinterlässt.

Hatten Sie mit dem inneren Schweinehund zu kämpfen?
Immer wieder kommt dieser innere Schweinehund. Aber der hält nicht lange an bei mir. Da muss ich keine Verrenkungen machen um den kleinzukriegen. Ich höre aber auch in meinen Körper hineina. Wenn ich erkältet oder krank bin, dann laufe ich auch nicht, sondern warte bis ich wieder gesund bin. Da ich mich immer auf das Laufen freue, verschwindet der Schweinehund einfach ganz von alleine wieder.

Wie geht es Ihnen, wenn Sie einige Zeit nicht Laufen können?
Ich werde unruhig und bin in meiner mentalen Leistungsfähigkeit schlechter wenn ich nicht trainiere.

Würden Sie sagen, das Laufen hat Sie als Person verändert?
Ein stückweit glaube ich ja. Ich bin zäher geworden. Ich kann ein Ziel langfristiger verfolgen – beruflich und sportlich. Und mit Sicherheit bin ich auch als Mensch ruhiger und gelassener geworden.

Welchen Effekt hat das Laufen auf Ihren Geist und Ihren Körper?
Ich bin während des Laufens wunderbar in der Lage über Probleme fokussiert nachzudenken. Ich laufe grundsätzlich ohne Handy oder andere Hilfsmittel, die mich mit der Außenwelt verbinden könnten. Teilweise kommen auch Lösungsgedanken, die jetzt gar nicht unmittelbar mit der primären Problemstellung zu tun haben.  Diese Möglichkeit Probleme zu bearbeiten ist natürlich nicht gekoppelt an einen Marathon, sondern während des Trainings, wenn ich kontinuierlich laufe.

Haben Sie schon einmal Glücksgefühle beim Laufen erlebt?
Leider hatte ich bisher noch keine. Das ist etwas, was ich eher in Wettkampfsituationen erfahre, wenn ich im Ziel einlaufe.

Wie würden Sie das beschreiben?
Endorphinausschüttung pur! Das heißt, man fühlt sich unglaublich gut und findet alles toll. Auch wenn es zwischendurch echt weh getan hat. Es ist die klassische Endorphinausschüttung, die man als Glück empfindet.

Was waren Ihre schönsten Erlebnisse beim Laufen?
Mein 1. Lauf war fantastisch. Es gibt jedes Jahr immer wieder Läufe, wo die Natur einfach so faszinierend ist, dass man nur staunen kann. Aber konkret könnte ich jetzt keinen Lauf benennen. Wenn das  Umfeld einfach toll ist, kommen da schon auch einmal ein paar Glückshormone.

Gab es auch mal Pannen beim Laufen?
Mein wildestes Erlebnis beim Laufen war in Kalifornien. Morgens früh bin ich an der Küste gelaufen. Es war noch ein bisschen neblig, wirklich wunderschön. Ich lief in die Wälder hinein. Und kam irgendwann auf eine Lichtung und sehe links von mir eine große schwarze Katze. Diese war aber so groß, dass es keine Katze sein konnte – es war ein Panther.  Ich hab diesen Panther angeschaut und er mich. Ich war jedoch so perplex dass ich einfach weiter gelaufen bin. Und der Panther  war wohl ebenfalls so überrascht, dass auch er einfach wieder weglief.  Im Nachgang war wohl mein Handeln,  einfach weiter zu laufen, genau das richtige.

Konnten Sie aus Ihrem Sportlerleben bestimmte Sachen in Ihr Berufsleben übernehmen?
Ja auf jeden Fall! Teamgeist ist mit Sicherheit etwas, was aus dem Sportlerleben erwachsen ist. Die Erkenntnis dass wenn ich etwas erreichen will, ich langfristig etwas dafür tun muss ebenso.

Wie wichtig sind Ihnen Ziele fürs Leben? Haben Sie welche?
Ja, Ziele sind extrem wichtig. Ich glaube, es gibt keinen Menschen, der komplett ziellos ist. Ich habe ein übergeordnetes Ziel:  wenn ich irgendwann vor dem ewigen Richter stehe und dieser mich fragt: „Lieber Klaus, war das Leben positiv oder negativ?“, dann muss ich sagen können:  „Es gab schlechte Zeiten, aber die guten Zeiten haben mit Abstand überwogen! Mein Leben war schön!“ Das ist meine Lebensphilosophie.

Haben Sie Vorbilder für den Sport oder andere Bereiche?
Ich hatte als junger Spieler im Volleyball ein Vorbild, dem ich auch nachgeeifert bin. Er war ein sehr guter Spieler, nur unglaublich extrovertiert. Er hat durch seine Emotionalität, die er offen ausgetragen hat, teilweise Spiele gegen die Mannschaft entschieden. Er war zu aggressiv als Spieler. Ich war in jungen Jahren genauso verrück, so extrem emotional und aggressiv. Dieser Spieler hieß Harry Zimmermann und ist leider vor 1 ½ Jahren viel  zu früh gestorben.
Für andere Bereiche hat mich mein alter Hochschullehrer und späterer Chef Professor Stegemann fasziniert. Deswegen fasziniert, weil er die Physiologie unglaublich spannend rübergebracht hat. Und das versuche ich auch. Ich versuche Leute für das wovon ich begeistert bin auch zu faszinieren.

Haben Sie einen großen Wunsch in Ihrem Leben?
Ich habe eigentlich nie große Träume gehabt. Im Allgemeinen würde ich gerne einfach mehr Zeit haben für mich selbst und das Nichtstun haben. Ich bin immer gerne gereist und reise auch immer noch gerne. Ich hoffe, das werde ich auch noch möglichst lange mit gesunden Beinen und einem klaren Kopf machen können. Mein Wunsch ist es ebenfalls, mehr Zeit zu haben, Bücher zu schreiben. Ich bin dabei ein Buch zu schreiben, bzw. die ersten gedanklichen Entwürfe zu verfassen. Das ist mein Wunsch, hier ein bisschen mehr Luft dafür zu haben.

An Ihrer Wand steht: „So alt wie du aussiehst, war ich auch mal!“ Haben Sie ein Motto oder ein Lebensgrundsatz?
Das ist die 92-jährige Elisabeth, die das gesagt hat. Mein Lebensmotto ist: „Leben und leben lassen.“ Das heißt, ich gehe nicht über Leichen und auch nicht über Schwerverletzte. Ich möchte dass es mir und anderen Menschen gut geht. Das heißt, meine Zufriedenheit nicht auf Kosten Anderer zu erreichen. Ich versuche darüber nachzudenken, welche Konsequenzen mein Handeln für mich hat, aber auch für meine Mitmenschen. Das kann mir nicht immer gelingen. Es gibt immer Dinge, die tun anderen Menschen ein stückweit weh.  Deswegen kann man diese Lebensphilosophie, nicht in letzter Konsequenz 100% leben.

Ohne wen oder was können Sie nicht glücklich sein?
Ohne Selbstbestimmtheit und Harmonie mit Mitmenschen.

Was würde Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben?
Sich bewusst zu werden:  „Was mache ich gerne?“ Das halte ich für extrem wichtig bei der späteren Berufswahl. Im Vorfeld sollten sie ein möglichst breites Bildungsspektrum erreichen. Wenn man sich den Luxus leisten kann durch Selbstfinanzierung oder durch die Eltern dann ist es gut, sich zunächst einmal breit zu orientieren und dann für sich selber rauszufinden was einen fasziniert um dann hier Zeit zu investieren und sich irgendwann in diesem Bereich zu spezialisieren.  Ich hatte das Glück, dies ausleben zu können – viele haben es nicht. Das ist vielleicht einfach ein Zufallsprodukt. Meine berufliche Ausrichtung entstand ebenfalls durch einen Zufall. Biologie habe ich in der Mittelstufe in der Schule sogar abgewählt. Ich bin erst wieder zur Biologie durch Professor Stegemann gekommen, der mich für diese Wissenschaften komplett fasziniert hatte.

Wie genau hat er Sie fasziniert?
Es war die Art, wie er erzählt hat und die ganze didaktische Konsequenz die dahinter steckte. Der Lehrerberuf ist sehr wichtig, und ich bin überzeugt davon, dass der  Lehrer letztendlich entscheidet wohin die eigenen Interessen schwabben – zumindest zu einem sehr großen Teil.

Herzlichen Dank für das Interview!

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