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Interview mit Dr. Ulrich Strunz

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Dr. Ulrich Strunz lächelt. Das tut er den ganzen Tag. Noch vor dem Zähne putzen fängt er damit an und lächelnd läuft er jeden Tag. Lächelnd hat er 19 Mal einen Ironman beendet:

Fast 4 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren – und dann läuft Dr. Strunz noch lächelnd einen Marathon von 42 Kilometer. Das alles in knapp zehn Stunden am Stück. Dafür haben ihn die Medien zum Fitnesspapst erkoren. Und weil er den Deutschen das Joggen predigt. Er hält die Verjüngungsformel in Händen, und er gibt sie bereitwillig weiter.
Denn: „ Ich habe eine Aufgabe zu erfüllen.“ Glaubt man ihm, ist nichts einfacher!

Dr. Strunz, Lächeln ist Ihr Markenzeichen. Können Sie auch ernst sein?
Ich trete ganz bewusst lächelnd auf, nehme aber alles todernst. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Fettsucht zur Killerkrankheit Nummer 1 ernannt. Fettsucht hat damit Infektionskrankheiten wie Malaria, AIDS und Tuberkulose abgelöst. Fettsucht bedeutet: Zuckerkrankheit, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, daran sterben wir. Ich habe einen Eid geschworen: „Die Gesundheit zu erhalten und wiederherzustellen“

Warum betonen Sie das?
Weil wir Ärzte immer noch glauben, wir müssten uns um Krankheiten kümmern. Wir warten auf die Kranken und helfen ihnen unter Einsatz all unserer Kräfte. Seit ich meinen Eid, mein Gelöbnis begriffen habe, gehe ich raus und kümmere mich um Gesunde. Ich habe gelernt, dass unsere Medizin auf dem falschen Bein aufgebaut ist. Unsere Medizin ist eine Drohmedizin. Wir drohen dem Menschen, wir sagen: „Reiß Dich zusammen, sonst….“
Den Erfolg sieht man – Herzinfarkte, Schlafanfälle, Zuckerkrankheiten nehmen zu.

Was ist neu an Ihrem Konzept?
Ich spreche von Frohmedizin. Ich sage nicht: „Tu das nicht, damit nicht…..“
Das hat noch nie genützt. Wenn es Dir heute gut geht, verzichtest Du nicht auf Dein Bier oder Schnaps, nur damit in 20 Jahren irgendetwas nicht passiert. Deshalb schildere ich den Leuten in leuchtenden Farben „Forever Young“ eine Vision, nie erreichbar – wie das Paradies im Christentum. Ich schildere Ihnen, was an Schönem auf sie zukommt, wenn sie diesen Ratschlägen folgen. Auf diesem Wege verhindern die Leute ihre Krankheiten. „Denn es gibt praktisch keine Krankheiten, die man durch Bewegung nicht verhindern oder heilen könnte.“ (Zitat Prof. Dr. Braumann).
Die gesamte Medizin – alles, was wir über den Menschen wissen, ist über den sitzenden Menschen geschrieben und von sitzenden Menschen erdacht worden; einseitig!
Schlaganfall, Diabetes kurz: unsere Zivilisationskrankheiten gibt es weder beim Reh noch beim bewegten Menschen.

Sie haben das Forever Young Erfolgsprogramm geschrieben.
Können Sie den Weg zum Erfolg schildern?

Das Erfolgsprogramm steht auf drei Säulen. Laufen Sie sich jung: Täglich, am besten 10 Kilometer, wie ein Kind. Langsam lächelnd, im Sauerstoffüberschuss. Damit Sie 1000 Prozent mehr Sauerstoff in Ihren Körper bekommen. Und 100 Prozent mehr in Ihr Gehirn. Das verjüngt Körper und Geist. Die zweite Säule: Essen Sie sich jung. Essen Sie wenigstens 50 Prozent Leben, Obst und Gemüse in seiner rohen Form. Und messen Sie die Frohwerte im Blut. Messen Sie Ihren Eiweißgehalt im Blut und Ihre Vitalstoffe. Und füllen Sie dann die leeren Tanks gezielt mit guten Präparaten aus der Apotheke auf. Denn 80 Prozent der Menschen leiden heute unter Vitalstoffmangel, weil in unserem Essen nichts mehr drin steckt. Die dritte Säule: Denken Sie sich jung. Stress raubt uns Lebensjahre. Und es gibt ganz einfache Entspannungstechniken, das Stresshormon Adrenalin in die Wüste zu schicken. Zum Beispiel: „Schultern fallen lassen und tief durchatmen.“

Das klingt fast zu simpel?
Ja sicher, aber machen Sie dies mal Herrn Meier klar, 55 Jahre, Diabetiker. Da werden Sie sich die Zähne ausbeißen. Es geht nicht auf dem Weg, den wir gelernt haben. Aber es geht auf meinem Weg. Ich bin ein Motivator. Und das schafft man nur, wenn man authentisch ist, wenn man selbst läuft und das wie ich als Glück erfahren habe. Ich bin ein glücklicher Mensch seither, ich war es vorher nicht. Was ich sage, weiß übrigens jeder Arzt. Jedes Wort, das ich schreibe, ist bekanntes medizinisches Wissen. Nur die anderen sagen es nicht so. Weil, da sitzt eben der Herr Meier, zuckerkrank, und fragt: „Was ist, laufen soll ich?“ Der dreht sich um und sucht sich einen neuen Arzt. Deshalb habe ich den Kittel ausgezogen, bin eine Stufe runter und rede mit den Leuten auf ihrer Ebene, ich rede in einer eher kindlichen, bildhaften Sprache, damit sie mir zuhören und mache Scherze wie Harald Schmidt. Dafür werde ich gescholten von ach so klugen Menschen, und lasse mich von Journalisten durch den Kakao ziehen. Aber die, die ich ansprechen will, die erreiche ich.

Gemessen an Ihrem grandiosen Erfolg wirken sie ziemlich empfindlich gegen Kritik?
Ich bin äußerst empfindlich. Ich habe so ein Verständnis von der Welt, ich nehme meine Mitmenschen und seine Äußerungen ernst. Die anderen, die das nicht tun, die sind mir über. Vielleicht ist das ja auch mein Erfolgsgeheimnis. Wenn Sie ihre Mitmenschen nicht ernst nehmen, wirklich zutiefst ernst nehmen, werden Sie daran zu Grunde gehen.

Ulrich Strunz hat viele Erscheinungsformen – den Arzt, den Laufguru, den Entertainer, den Autor, den Extremsportler….. Wo findet man den wahren Strunz?
Den finden Sie hier in der Praxis. Vor allem bin ich Arzt und Forscher und nicht Laufguru oder ähnlicher Quatsch. Ich will den Leuten beibringen: „Ihr könnt Euch Operationen und Medikamente sparen, Ihr müsst nur eine halbe Stunde am Tag laufen. Sie dazu zu bringen, das macht eine Kunst aus. Ich habe ein unerreichbares Vorbild, Thomas Wessinghage, 5000 Meter Europameister und Chefarzt. Der weiß alles, der hat alles erfahren. Nur er kann sich nicht so vor Massen stellen und sie begeistern. Ich kann das zufällig. Ich habe Vorträge vor Kinderärzten gehalten und sie gerügt. Wissen Sie, eine junge Mutter weiß gar nichts über Medizin. Wenn in der Nacht ihr Kind weint, steht sie Todesängste aus, weil sie nicht weiß, ob es stirbt, oder ob die Sache harmlos ist. Solches Grundwissen könnten die Ärzte den Leuten aber durch Vorträge beibringen. Diesen Unterlassungsfehler habe ich früher auch begangen – ich habe Wissen nicht rechtzeitig und volkstümlich weitergegeben. Wenn Sie es aber tun, werden Sie in Deutschland gesteinigt, in Amerika kriegen Sie dafür den Pulitzerpreis.

Wie haben Sie Volkstümlichkeit gelernt?
Als praktischer Arzt. Sie müssen die Menschen lieben. Ich fasse meine Patienten an, empfange Sie an der Tür, fasse sie an der Schulter an, oder umarme auch mal.

Wie ist Ihr Tagesablauf?
Ich arbeite jeden Tag von sechs Uhr früh bis zwei in der Praxis, danach mache ich Sport, schreibe Bücher, fahre umher und halte Vorträge, an die 200 im Jahr.

Für Ihre Familie bleibt da wohl wenig Zeit?
Oh doch, ich nehme mir jeden Tag mindestens eine Stunde für Gespräche mit meiner Frau. Die heilt mich von meinen Ängsten; die ist weiter als ich. Meine Kinder sind Klassenbeste; so etwas ist für mich ein Indikator. Sie sind gelassen und souverän; das war ich früher nicht. Sie brauchen sich bloß die Kinder anzugucken, dann wissen Sie Bescheid über die Familie.

Wenn ich Ihnen so zuhöre, glaubt man, dass Deutschland nur ein Problem hat – nämlich, dass zu wenig Menschen laufen?
Das stimmt! Es ging uns noch nie so gut, wir hatten noch nie eine so lange Lebenserwartung. Trotzdem jammern Millionen Deutsche jeden Tag – über ihr Kreuz, über Kopfschmerzen. 42 Millionen sind zu dick, die haben Bluthochdruck und Durchblutungsstörungen und der Magen drückt. Ich sage: „Kinder, Ihr könnt ein bisschen glücklicher leben. Du kannst morgens leichter aus dem Bett, Du brauchst keine Migräne zu haben, der Mensch muss nicht leiden.“

Wie oft sollte man laufen?
Sieben Mal die Woche für das Glück. Und fünf Mal für ein längeres Leben.

Was bedeutet das?
Wenn Sie fünf mal die Woche 30 Minuten laufen, setzen Sie 2000 Kalorien Bewegung um. Und das ist gesund, und verlängert das Leben.

Worauf muss der Anfänger achten?
Um Fett zu verbrennen, muss jeder, ob Anfänger oder Marathonläufer, mit einem sehr niedrigen Puls laufen. Jeder muss individuell bestimmen, bei welchem Pulsschlag er sich gerade noch wohl fühlt. Das ist das richtige Tempo. Das merkt jeder selbst, man muss es nur ausprobieren, am besten morgen früh loslaufen. Für gesunde Menschen ist es nicht notwendig, vorher einen Sportarzt zu befragen.

Wie kann man nun seinen untrainierten Körper in Schwung bringen?
Stellen Sie die Laufschuhe neben das Bett. Springen Sie morgens hinein, ohne zu Duschen, oder die Zähne zu putzen. Denn dann fallen Ihnen garantiert 14 Ausreden ein, warum Sie heute gerade mal nicht laufen können. Laufen Sie einfach los. Langsam, lächelnd, 30 Minuten lang. Das tun Sie vier Wochen. Dann haben Sie einen Reflex. Wie Sie einen Frühstücksreflex haben. Sie grübeln ja auch nicht lange herum, bevor Sie sich hinsetzen und das Frühstücksei köpfen. Sie frühstücken automatisch. Und genauso ist das nach vier Wochen mit dem Laufen. Es gehört dann, wie das Atmen zu Ihrem Leben.

Wie soll man denn den inneren Schweinehund überwinden?
Man muss jeden Tag laufen. Denn das ist natürlich, im Gegensatz zum Sitzen am Schreibtisch. Kleine Kinder rennen permanent umher, bei ihnen gibt es keinen Ausruhtag in der Woche, das müssen wir uns zum Vorbild nehmen. Die Ausrede, man habe zum Joggen keine Zeit gilt nicht. Das stimmt höchstens in den ersten vier Wochen, danach hat man viel mehr Zeit als andere, weil man schneller denkt und sich nicht mehr müde durch den Tag schleppt.

Was ist das Besondere am Joggen?
Wir laufen von Natur aus – aber schwimmen nicht oder fahren nicht Rad. Beim joggen bewegen sich 70% der Muskeln, das spricht für diesen Sport. Ab 15 Minuten pro Tag setzt die Fettverbrennung ein, eine halbe Stunde täglich ist mindestens anzustreben.

Sie sind ja selbst ein Spätberufener in Laufdingen?
Ich kam dazu wie die Jungfrau zum Kinde. Ich war bereits 45, als ich den Extremsportler Hubert Schwarz kennen lernte. Als absolute Flasche fing ich mit dem Laufen an, ich hatte vorher nie Sport getrieben. Nach drei Monaten Training beteiligte ich mich an einem Triathlon und kam auf Platz drei meiner Altersklasse. Ich war völlig überrascht, ich hatte vorher gedacht, danach ist man tot. Dann habe ich in einem Jahr bei allen sechs großen internationalen Triathlone mitgemacht und drei mal gewonnen. Ich fragte mich: „Was machen eigentlich die anderen auf dieser Welt?“ Übertragen auf das tägliche Leben: „Was macht Ihr eigentlich den ganzen Tag? Ihr strengt euch an und verliert“.
Ich habe erfahren wie´s geht: Streng Dich weniger an und gewinne! Das gebe ich weiter.

Wie oft laufen Sie?
Jeden Tag ein bis anderthalb Stunden: Das ist ein Glaubenssatz geworden. Laufen macht glücklich. Ich will jeden Tag glücklich sein. Die Leute machen den Fehler und fragen sich, wie sie das Laufen in den Tag einbauen. Wenn man so denkt, hat man verloren. So wie ich Zähne putze und zur Arbeit gehe, laufe ich auch.

Welchen Effekt hat das Laufen auf Geist und Körper?
Richtiges Laufen ist die Wunderpille, für die der Mensch ein Vermögen zahlen würde, wenn es sie in der Apotheke zu kaufen gäbe. Nichts rückt dem Fett effektiver zu Leibe, nichts macht resistenter gegen Stress, nichts hält jünger, macht zufriedener, fröhlicher, gesünder, ja sogar klüger. All dies ist wissenschaftlich nachgewiesen: Laufen sorgt für ein powervolles Immunsystem, ein leistungsstarkes Herz, junge, glatte Gefäße, es vertreibt mit körpereigenen Glücksbotenstoffen, Endorphine und Serotonin, Traurigkeit und Depressionen, Laufen stärkt das Selbstbewusstsein und die Knochen, es vertreibt Rückenschmerzen, strafft die Figur – und Laufen lockt kreative Gedanken. Laufen heißt entspannen, abschalten, Energie tanken für Körper und Geist.

Haben Sie Vorbilder?
Menschen wie Reinhold Messner oder den Urwald Arzt Albert Schweitzer. Die haben nicht geschwätzt, die sind rausgegangen. Auch eine Mutter Theresa ist rausgegangen, sie wurde dafür bespuckt in den deutschen Zeitungen. Sie mache nur auf religiös und lasse die Leute sterben. Ich habe das alles sehr genau gelesen. Im Klitzekleinen erleide ich das auch. Ich bin nämlich nicht perfekt; ich bin nicht abgebrüht.

Mit wem möchten Sie gerne einmal eine Stunde im Fahrstuhl eingeklemmt sein?
Mit einem Zeit-, einem Focus- und einem Spiegel-Reporter und den sechs Wissenschaftlern, die in „ Fit For Fun“ mein Buch „Die Diät“ zu kritisieren versucht haben.

Ohne was können Sie nicht leben?
Ohne meine Frau, meine Kinder, meine Laufschuhe und Obst.

Vielen Dank für das sehr interessante Interview!

3 Kommentare
  1. Aurélie
    Aurélie says:

    Ich finde es toll, dass in diesem Interview die Krankheiten wie Zuckerkrankheit, Bluthochdruck, Herzinfarkt und der Schlaganfall so betont werden. Es gibt heute einfach viel zu viele Menschen, die durch die Fettleibigkeit ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Umso wichtiger sind Signale wie dieser Artikel, die die Menschen wachrütteln. Danke, finde ich sehr schön geschrieben!

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  2. Hans
    Hans says:

    schöner und sehr interessanter Artikel. vor ca. 20 Jahren hatte ich mir sein erste Buch gekauft For every young, ja und es hat was genutzt. Laufe zwar keinen Marathon mehr aber täglich 20-30 Minuten Sport, bin Fit und Gesund, fast schlank und bald 60 Jahre alt.

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  3. Rob
    Rob says:

    Prinzipiell schätze ich die Arbeit von Dr. Strunz. Allerdings kann die Aussage zur Fettverbrennung „Um Fett zu verbrennen, muss jeder, ob Anfänger oder Marathonläufer, mit einem sehr niedrigen Puls laufen.“ so nicht stehengelassen werden.
    Grundsätzlich wird immer Fett verbrannt. Es ist richtig, dass bei einem niedrigeren Puls (den allerwelt bekannten 120 Schlägen) die Energiebereitstellung zu einem höheren Prozentsatz aus Fetten gewährleistet wird. Das hat aber nichts mit dem absoluten Verbrauch zu tun.

    Wer also abnehmen will, sollte, wenn er es mit laufen macht, mehr Intervalltraining absolvieren – vorausgesetzt man hat bereits eine gewisse Grundausdauer.

    Grundsätzlich ist aber ein Ganzkörpertraining (Krafttraining) mit dem eigenen Körpergewicht wesentlich effektiver als Laufen und vermittelt ein wesentlich besseres Körpergefühl. Außerdem unterstützt Kraft Tätigkeiten im Alltag wesentlich besser (z.B. wenn eine Kiste Wasser gehoben werden muss). Ausdauer brauche ich im täglichen Leben aber nicht wirklich viel.
    Bitte nicht falsch verstehen, ich habe nichts gegen das Laufen, ich war nämlich lange Jahre selbst begeisterter Bergläufer und von daher spreche ich aus Erfahrung. Es ist auch in Ordnung jeden Tag zu laufen, aber wer wenig Zeit hat und es sich aussuchen muss ob Kraft oder Cardiotraining, der sollte lieber Kraftübungen machen.
    Wer z.B. Burpees macht, trainiert fast seinen ganzen Körper und hat dazu auch noch ein ausgezeichnetes Ausdauertraining!

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