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Interview mit dem Ex-Fußballprofi Richard Golz Teil II

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Podcast Folge #16

Interview mit dem Ex-Fußballprofi Richard Golz Teil II 

 

Herzlichen Willkommen zum Podcast: Impulse für Deine Motivation.

 

Mein Name ist Dirk Schmidt und jetzt hast Du die Chance Dir den zweiten Teil des Interviews mit dem Ex-Fußball-Bundesligaspieler Richard Golz anzuhören und wenn Dir der erste Teil gut gefallen hat, wird Dir der zweite Teil erst recht gefallen.

Wenn Du bisher noch keine Möglichkeit hattest, Dir den ersten Teil anzuhören hol’ das bitte nach. Das Interview enthält viele, viele wertvolle Informationen aus der Welt des Leistungssports die Du in Deinem Alltag umsetzen kannst.

Richard Golz ist ehemaliger Fußball-Bundesligaprofi und stand bei 273 Bundesligaspielen für den Hamburger SV und 180 Bundesligaspielen für den SC Freiburg im Tor. Während der Saison 2013/14 übernahm er für zwei Jahre die Position des Torwart-Trainers der Bundesliga Mannschaft von Hertha BSC. Richard ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Wir haben dieses Gespräch bei wunderschönem Wetter auf der Dachterrasse des Hotel Side in Hamburg geführt, daher sind manchmal ein paar Nebengeräusche zu hören.

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Ich danke Dir und nun wünsche Dir dir ganz viel Spaß beim zweiten Teil

Lieben Dank und liebe Grüße

Dein Dirk

Dirk: Wir sprachen ja gerade über den Umgang mit Niederlagen. Als Torwart hast Du ja natürlich entweder das Glück Du hältst den Ball oder der geht rein. Das macht ja was mit Dir. Wie bist Du damit umgegangen?

Richard: Also es fängt schon damit an, dass wenn der Ball ins Tor geht wenden sich alle von Dir ab, weil sie zum Anstoß müssen. Diese natürliche Reaktion gibt Dir das Gefühl, die wenden sich alle von Dir ab – von der Körpersprache her, obwohl Du gar nichts  dafür kannst. Das muss man erstmal ausblenden. Als Torwart sind Deine Fehler einfach Tore und möglicherweise auch Niederlagen. Das ist natürlich die worst-case Situation, die Mannschaft verliert ein Spiel, womöglich sogar ein gutes Spiel weil Du den entscheidenden Ball nicht gehalten hast. Das ist schon eine extreme Situation, muss man wirklich sagen.

Dirk: Und das ist auch passiert?

Richard: Ja natürlich! Auf jeden Fall. Genauso kannst Du den entscheidenden Ball in der letzten Minute halten und Du gewinnst ein wichtiges Spiel oder den Pokal. Dann bist Du der absolute Held und das ist genau das Gegenteil. Beides passiert – ohne Frage. Beides musst Du verarbeiten, Erfolge sind etwas einfacher, die tun nicht so weh. Aber Niederlagen, das ist extrem schwer.

Dirk: Wo hast Du mehr gelernt an Deinen Erfolgen oder Deinen Niederlagen?

Richard: Es sagt sich immer leicht an den Niederlagen lernt man am meisten. Im Nachhinein stimmt es tatsächlich. Obwohl man gerne diese Niederlagen vermeiden möchte, auch wenn man dabei was lernt. Klar, das führt oft zu einer Vermeidungsstrategie. Als Torwart gibt’s ja so goldene Regeln, z.B. wenn Du raus kommst musst Du den Ball auch haben. Jetzt gibt’s einmal die Situation, dass Du rauskommst, kommst aber nicht an den Ball und fängst Dir ein Tor. Dann liegts natürlich nahe, dass Du ab dann immer Tor bleibst.

Dirk: Das ist Angst.

Richard: Genau und das muss man vermeiden. Das Ziel oder die Strategie war immer an das „Hin zu“ statt an das „Weg von“ zu denken.Was kann ich gewinnen, wenn ich dieses und jenes mache und ich denke nur an die positiven Dinge und Situationen, an das was ich kann. An den Schwächen zu arbeiten klar, aber nicht an die Schwächen zu denken permanent.

Dirk: Das ist schon eine Lebensaufgabe, auch außerhalb des Fußballs. Gelingt Dir das?

Richard: Nicht zu 100%, das kann man nicht. Es ist auch wichtig, dass man seine Schwächen kennt und mit denen lebt und die möglicherweise auch abstellt. Verdrängen ist immer doof. Ich glaube man fährt besser, wenn man positiv denkt und an die guten Sachen im Menschen, bei sich selbst und bei anderen. Das gibt eine andere Stimmung.

Dirk: Jetzt stelle ich mir vor, so eine Situation wo Du einen Ball bekommst, der eigentlich haltbar gewesen wäre und der flutscht durch, warum auch immer. Das Spiel steht gerade auf der Kippe und dann geht so ein Ball rein. Das macht ja was mit Dir und nicht nur, dass die Mannschaft sich umdreht und wieder nach vorne geht. Hast Du auch so einen Quatschi, eine innere Stimme, die redet dann mit Dir? Wie bist Du der Herr geworden?

Richard: Es gibt da schon Strategie aus dem sportpsychologischen Bereich, wo man ganz laut für sich dann „Stop“ sagt, so ein Gedankenstopp. Das funktioniert. Mein Sportpsychologe hat mir mal gesagt, – ich habe es aber nie angewandt – mach dann doch einfach etwas ganz Doofes, mach’ eine Rolle vorwärts. Das habe ich mich nicht getraut, aber es hätte bestimmt super geholfen, weil sich alle gedacht hätten, was ist denn mit dem jetzt los und Du dann auf einer anderen Spur bist. Einfach unterbrechen diesen Gedanken, nicht nur im Kopf sondern auch durch eine Handlung.

Dirk: Diesen Gedankenkreislauf, der Dich nach unten zieht einfach durch eine andere Handlung unterbrechen. Ein Stop ist auch gut. Kann ich verstehen – Was war Dein größter Erfolg beim Sport? Ist das messbar.

Richard: Ich habe leider in den 20 Jahren weder eine deutsche Meisterschaft oder einen DFB-Pokal gewonnen, aber die Phasen wo man das Gefühl hatte einen großen Teil zur Leistung bei zu tragen. Als Mannschaft mal ein richtig gutes Jahr gespielt zu haben, seine Möglichkeit komplett auszuschöpfen. Das waren die schönsten Phasen. Nichts ist schlimmer, wenn Du denkst, Du hättest noch etwas tun können, Dich besser vorbereiten oder besser schlafen können usw. Wenn man das Gefühl hat, man irgendwas verpasst oder nicht gemacht. Was hätte nötig sein müssen und einfach das Potential nicht voll ausgeschöpft zu haben, dass sind die frustrierendsten Phasen. Wenn ich das Gefühl hatte, ich habe mein Bestes gegeben, dann kannst Du als Torwart – das hören die Trainer nicht gerne – auch wenn die Mannschaft verloren hat, zufrieden aus dem Spiel rausgehen. Natürlich geht’s immer ums Gewinnen, gerade im Profi-Fußball. Ein Mitspieler hatte mal großen Ärger mit dem Trainer, ein Stürmer dessen Namen ich jetzt nicht nennen möchte, denn er hat gesagt: Mir ist es lieber wir verlieren 2:1 und ich schieß das Tor, als ein 0:0. Die Psyche eines Stürmers ist natürlich auch sehr speziell und als Torwart, wenn Du ein gutes Spiel machst und weißt, Du hast alles getan dann kannst Du auch zufrieden nach Hause gehen.  

Dirk: Ist dann ein gutes Gefühl für Dich, das macht ja was mit dem Selbstwertgefühl. Wie stark war Dein Einfluss als Torwart auf die Mannschaft?

Richard: Total gut, denn Du bist hinten derjenige der alles sieht. Du hast alle Spieler vor Dir und kannst alle Entwicklungen sehen und nach Möglichkeit auch Einfluss nehmen. Du musst natürlich die Situation erkennen können, da gehört taktisches Gespür und Verständnis dazu. In der Ansprache, erst Mal wen Du ansprichst und dann wie, also positiv, negativ oder spreche ich nur die an, die den Fehler machen oder spreche ich immer nur den gleichen Spieler an. Du hast einen riesigen Einfluss und das ist der Schlüssel für richtig erfolgreiche Mannschaften. Die haben immer einen sehr aktiven Torwart und der viel spricht und die Leute coacht. Bei den Top-Mannschaften wird’s keinen Torwart geben, der sein eigenes Spiel spielt.  

Dirk: Also ein introvertierter Torwart ist selten?

Richard: Gibt es auch, aber nicht in den Top-Mannschaften.

Dirk: Dann warst Du auch ein Motivator für das Team?

Richard: Natürlich, aber wie ich anfangs schon sagte, muss ich dafür meine Leistung erst erbringen. Wenn ich mich daran erinnere, wenn ich ein blödes Tor kassiert habe, habe ich selber erst Mal gebraucht um mich selber wieder zu finden und das waren oft Phasen, wo ich gedacht habe: Jetzt bin ich für die anderen nicht existent. Ich muss erst Mal selber klar kommen und dann findest Du irgendwann die Kommunikation wieder und fängst wieder an zu sprechen. Aber am Anfang ist Schluss. Ich glaube, dass so Leute wie ein Oliver Kahn, die zwar auch Fehler machen, schneller ins Spiel zurück kommen. Die absolute Weltspitze, die legen einen Schalter um und in dem Moment wo der Anstoß ist, geht das Spiel weiter als wenn vorher nichts gewesen wäre. Das ist eine große Qualität.

Dirk: Ich glaube auch nicht, dass es entscheidend ist, Fehler zu machen sondern wie gehst Du mit der Situation um. Viele hadern dann ja mit sich selbst. Und wenn Du Dich anfängst zu fragen, warum passiert mir das. Das ist ein Teufelskreis, der Dich nach unten zieht. Diese Gedanken zu stoppen, das ist eine Kunst, oder?

Richard: Ja, das sieht man oft bei Stürmern die eine riesige Chance vergeben haben. Die dann erst Mal noch da stehen und den Kopf schütteln und vergessen wieder zurück zu laufen und oftmals sogar im Abseits stehen. In der Situation, wo sie dann stehen, die Chance ist vergeben und mit sich selbst diskutieren, das Spiel läuft aber weiter. Wenn man da den Schalter umlegen kann und die Situation für sich beenden, ins Spiel zurück kommen, dann hätten sie möglicherweise direkt die zweite Chance gekriegt.

Dirk: Genau, das sind ja Bruchteile an Sekunden, macht aber im gesamten Spiel viel aus. Das beobachte ich von außen bei vielen Spielern: Die hadern mit dem Schiedsrichter, mit dem Teamkollegen, mit den Zuschauern. Die sind immer außen und diskutieren und sind nie präsent, wenn der Ball kommt. Ist Dir das auch schon aufgefallen?

Richard: Das sieht man jede Woche. Aber tatsächlich nicht so viel bei den Weltstars. Ein Ronaldo ist auch viel am Meckern mit sich selbst, aber immer nur ganz kurz und dann geht’s gleich wieder weiter.

Dirk: Das merkt man auch an der Körpersprache. Wie wichtig ist die?

Richard: Wenn Du merkst, es geht Dir nicht gut, schon alleine den Kopf hochnehmen, Brust raus und tief durchatmen – das fühlt sich gleich ganz anders an und damit kannst Du auch den Kopf beeinflussen. Man glaubt gar nicht, wie einfach das ist sich in einen anderen Zustand zu versetzen. Genauso kann man aber auch immer weiter in sich selbst zusammenfallen, bis gar nichts mehr geht.

Dirk: Das fällt uns Deutschen glaube ich leichter, dieses in sich zusammenfallen.

Richard: Wobei wir eigentlich immer schnell wieder aufstehen.

Dirk: Ich glaube auch, der Gegner spürt das wenn gerade was mit einem passiert, aufgrund der Körpersprache, oder?

Richard: Ja, natürlich. Man sieht ganz oft Spiele, wo man denkt, die sind schon lange entschieden und dann fällt das erste Tor, vielleicht durch Zufall noch das Zweite und man merkt, die einen werden immer besser, immer größer und die anderen immer kleiner. Obwohl die Mannschaft vor 5 Minuten noch überlegen war. Das ist ansteckend. So wie ich als Torwart im Tor stehe, mich groß und breit mache, wirkt das auf die Anderen und deswegen finde ich, ist der Torwart die wichtigste Position beim Fußball.

Dirk: Das würde jetzt jeder sagen, jeder Spieler. Dennoch ist der Torwart schon eine Schlüsselposition, weil Du wie gesagt das ganze Spielfeld siehst und alle Spielsituationen auf Dich zukommen. Hast Du da Dinge schon geahnt weit vorher?

Richard: Ja klar! Oftmals siehst Du die Situation kommen und Du siehst das Entstehen einer Torchance für den Gegner. Ob es ein Tor wird, liegt dann ein bisschen an mir und ob ich darüber nachdenke, was passieren kann.

Dirk: Gibt’s da eine selbsterfüllende Prophezeiung?

Richard: Ja, natürlich, gibt es. Definitiv! Natürlich kannst Du einschätzen ob es eine 10% oder 100% Torchance ist und wenn einer 2 Meter vor Dir steht, dann ist es keine große Kunst mehr.

Dirk: Ich habe gelesen in Freiburg warst Du sehr beliebt bei den Fans. Du warst auch Sportler des Jahres in Freiburg. Hast Du manchmal noch Heimweh nach dem Breisgau?

Richard: Von Hamburg aus ist es sehr weit, das führt dazu, dass ich nicht mehr so oft in Freiburg bin. Ich war jetzt am letzten Spieltag in Freiburg, weil wir auch einen Tag vorher ein Spiel mit der Traditionsmannschaft gegen Augsburg hatten. Das hat mir sehr großen Spaß gemacht und war im Stadion, konnte miterleben wie die den Klassenerhalt gefeiert haben. Ich habe viele alte Kollegen und Fans getroffen, die mich von früher kennen. Das war sehr schön und da habe ich an die tolle Zeit gedacht, die ich dort hatte.

Dirk: Vermisst Du die manchmal?

Richard: Je länger es zurück liegt, eigentlich nicht mehr so viel. Es bringt nicht so viel. Es ist schon immer nett dort zu sein, aber Du kannst die Uhr nicht zurückdrehen. Ich bin jemand, der mehr nach vorne guckt und manchmal sollte man sich öfter an die schönen Dinge erinnern, aber das gelingt mir gar nicht so sehr. Ich kann das gar nicht so genießen.

Dirk: Wo würde ich Dich denn in 5 Jahren treffen? In einer Trainerposition? Hast Du noch ein Ziel oder einen sportlichen Wunsch?

Richard: Das ist eine sehr gute Frage. Ich bin seit 2,3 Jahren nach meiner festen Trainerposition in Berlin bei Hertha in der Bundesliga, noch in Rumänien bei der Nationalmannschaft gewesen, aber nur als Honorarkraft, war also bei den Länderspielen vor Ort. In dieser Zeit konnte ich viele andere Dinge machen. Ich arbeite jetzt für ein Start-Up da geht’s um Digitalisierung und so businessmäßig unterwegs zu sein, macht auch großen Spaß. Das ist eigentlich fast die optimale Konstellation immer noch als Trainer zu arbeiten, aber auch auf einem anderen Feld unterwegs zu sein. Wo das hinführt kann ich so gar nicht sagen. Das Schöne ist, ich kann es einfach ausprobieren. Ich glaube in 5 Jahren werde ich nicht mehr auf dem Trainingsplatz stehen, weil das dann auch eine Grenze erreicht, keine richtig biologische, aber mit Mitte 50 wird’s dann langsam als Torwarttrainer eng.

Dirk: Wie lange war Sepp Maier Torwarttrainer?  

Richard: Ja, das stimmt. Das ist eine Ausnahme, der war wahrscheinlich bis letzte Woche Torwarttrainer…

Dirk: Aber es ist kein Ziel von Dir?

Richard: Nein, ich lasse es im Moment einfach laufen und gucke, in welche Richtung es geht.

Dirk: Richie, vielen Dank! Es hat Spaß gemacht.

Richard: Danke, mir auch!

Das war der zweite Teil des Interviews mit dem Ex-Fußballprofi Richard Golz.

Mehr Informationen über Richard Golz: https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Golz und http://www.richardgolz.de/

 

Am Ende dieses Podcasts möchte ich Dir persönlich ein Angebot machen: Wenn Du Dir in Deinem Leben auch eine mentale Stärke antrainieren möchtest, dann komm zu meinem Tagesseminar Gewonnen wird im Kopf. Komm zu meiner Veranstaltung und starte mit dem Leben, dass Du Dir wünschst.

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Falls Du ein Feedback hast oder wenn Du Fragen hast, schreibt mir eine E-Mail an: info@dirkschmidt.com

Meine Bitte:

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Ich danke Dir!

Vielen lieben Dank, dass Du dabei warst und wir hören uns in der nächsten Folge wieder.

Dein Dirk

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