Interview mit Claudia Dreher

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Claudia Dreher – von Beruf Profi-Marathonläuferin / Langstreckenläuferin – wurde am 2. Mai 1971 in Magdeburg geboren. Sie begann mit Leichtathletik mit dem 9. Lebensjahr. Leistungssport betreibt sie seit Ihrem 14. Lebensjahr.

Claudia Dreher startet für die LG Ihleläufer Burg und wird von Bodo Unger trainiert. Sie ist 1,70 m groß und wiegt 53 kg. Ihre Hobbys sind: Acrylmalerei, mit Freunden gut essen, Lesen, Design

Wie sind Sie zum Leistungssport gekommen?
Der Sport spielte in meiner Familie schon immer eine große Rolle. Als Kind habe ich alles Mögliche ausprobiert – Schwimmen, Handball, Turnen… – aber meine wahre Leidenschaft galt schon früh der Leichtathletik. Mit 9 Jahren nahm mich mein Dad zu seinem ehemaligen Sportlehrer mit, der ein erfolgreicher Trainer im Nachwuchsbereich war. Dort erlernte ich das 1×1 der Leichtathletik und dadurch habe ich eine gute Grundausbildung in allen Sprung, -Lauf-, und Wurfdisziplinen genossen. Bis zu meinem 14. Lebensjahr habe ich sehr mehrkampfspezifisch trainiert( der Hochsprung und das Speerwerfen waren meine Lieblingsdisziplinen…), aber Experten erkannten, dass mein eigentliches Potential im Ausdauerbereich lag. Mit 14 Jahren kam ich zur Kinder und Jugendsportschule in Magdeburg, wo von nun an mein läuferisches Talent konsequent gefördert wurde und ich mit den besten Sportlern des Bezirkes zusammen trainierte und zur Schule ging.

Was war für Sie am Anfang das Schwierigste?
Ich denke es war die Umstellung auf einen völlig neuen Tagesrhythmus, ein neues Umfeld und ein höheres Leistungspensum, als ich bisher gewohnt war. Man war jetzt den ganzen Tag auf Achse. Morgens um 6:00 Uhr fuhr die Bahn, ab 7:00 Uhr 3 Stunden Schule, danach 2 Std. Training, Mittagessen, wieder 3-4 Stunden Schule, anschließend zweite Trainingseinheit. Gegen 18:00 Uhr war man zu Hause – ziemlich k.o. – und dann mussten die Hausaufgaben auch noch erledigt werden. Da blieb wenig freie Zeit für andere Dinge. Das war die ersten 3 Monate ganz schön hart, aber dann gab es so nach und nach kleinere Erfolgserlebnisse und alles hat sich gut eingepegelt.

Wie überwanden/überwinden Sie Ihren „inneren Schweinehund“,
wenn Sie keine Lust (oder Zeit) zum Laufen hatten/haben?

Wenn ich etwas erreichen möchte, ist es für mich essentiell, immer ein Ziel vor Augen zu haben und mir die Frage ehrlich zu beantworten „was will ich“.
Grundsätzlich kommt bei mir der eigentliche Antrieb von innen. Damit meine ich die starken Emotionen und Vorstellungen, die ich mit dem Laufen, meinem Training und meinem Ziel verbinde und die somit das negative Denken verändern. Hinzu kommt, dass ich das Laufen auch selber zu meinem Job gemacht habe und den möchte ich möglichst gut machen. Insofern würde es mir irgendwann schwer auf die Füße fallen, wenn ich dem „inneren Schweinehund“ allzu oft nachgeben würde.
Wenn auch noch irgendwo steht, dass es um was geht, hat das zusätzlich seinen Reiz. Z.Bsp. wenn ich zu Hause bin haben wir in unserem Arbeitszimmer einen großen Kalender, wo das Ziel und alle Zwischensteps eingetragen sind. Das hilft enorm im inneren Kampf zwischen „Engelchen und Teufelchen“. Wenn ich da drauf schaue, da sehe ich genau, ob ich es mir erlauben kann, auf der Couch zu bleiben. Meistens nicht 🙂

Was ist für Sie das besondere am Sport?
Der Sport ist für mich ein Stück Lebensqualität. Mein Körper ist fit und ich schätze es sehr, durch den Sport viele tolle Menschen, Kulturen und Länder kennenzulernen.

Was hat sich durch das Laufen für Sie verändert?
Das Laufen hat in meinem Leben seit über 20 Jahren einen festen Platz. Ich liebe das Laufen, bin glücklich und hatte die große Chance, meine Leidenschaft auch zum Beruf zu machen. Es gab tolle Erfolge und bittere Niederlagen, die ich für mich als wichtige Lernquellen im Leben begriffen habe. Ich habe zu schätzen gelernt, dass Gesundheit und Fitness keine Selbstverständlichkeit sind und für eine hohe Leistungsfähigkeit eine mentale und körperliche Balance enorm wichtig ist. Mittlerweile betreue ich viele Laufinteressierte in eigenen Laufseminaren und da freut es mich besonders, wenn ich mit meinen Erfahrungen andere Menschen auf dem Weg zu ihren persönlichen Zielen unterstützen kann.

Was hat es mit den Glücksgefühlen beim Laufen auf sich?
Viele Läufer verbinden Glücksgefühle beim Laufen mit dem „Runners High“ – das Hochgefühl zu haben „ewig“ weiterlaufen zu können. Wann und unter welchen Voraussetzungen man diesen euphorischen Zustand beim Laufen erreicht, können die Wissenschaftler mit der Endorphinen Ausschüttung noch tiefgründiger erläutern. Ich als Läuferin kann nur sagen – egal ob Einsteiger, Ambitionierter- oder Profiläufer – egal welches Ziel jeder persönlich mit dem Laufen erreichen möchte, es ist eine tolle Erfahrung, ein großartiges Gefühl, sich ein Ziel zu setzen, konsequent dafür zu trainieren und zu spüren dass man sich verbessert und am Ende das Ziel erreicht. Das macht einfach stolz und glücklich.

Was waren Ihre schönsten Erlebnisse beim Laufen?
Da gibt es so viele – meistens sind es die, wo man sich selber überrascht hat. Angefangen von vielen wunderschönen Trainingsläufen, wo ich locker und frei in der Natur unterwegs bin, bis hin zu Wettkämpfen, wo ich spüre, dass es besser rollt als gedacht, die vielen Zuschauer die deinen Namen rufen, dich quasi ins Ziel tragen und du das Zielband vor Augen hast…Gänsehaut pur.

Gab es auch Pannen beim Laufen?
Ja, aber daraus habe ich gelernt. (Laufe niemals einen Marathon zu schnell an, auch wenn du dich super fühlst und es nur bergab geht…)

Haben oder hatten Sie Vorbilder und warum?
Direkte Vorbilder habe ich nicht. Als Kind war das anderes, da war es ganz gut, Vorbilder zu haben. Mittlerweile sind die Menschen, die mich am meisten beeindrucken jene, die mit viel Disziplin, Geradlinigkeit, hoher Leistungsbereitschaft, klarer Selbsteinschätzung und viel Humor und Leidenschaft gute Dinge tun, die nicht nur ihnen selber nützen.

Arbeiteten Sie mit Zielen?
Ja, sonst würde ich niemals ankommen.

Was konnten Sie aus Ihrem „Sportlerleben“ ins „Berufsleben“ übernehmen?
„Gib niemals auf“…Ausdauer, Disziplin, Selbsteinschätzung, Umgang mit Erfolg und Niederlagen, Kontinuität, Fairness, Leidenschaft

Was sind Ihre Antreiber/Motivatoren?
Emotionen, Ziele

Schenken Sie uns eine Lebensweisheit?
„Eine Erfolgsformel kann ich dir nicht geben – aber ich kann dir sagen, was zum Misserfolg führt: der Versuch jedem gerecht zu werden“ oder eine andere Lebensphilosophie, die ich sehr schätze: „Ein gesunder Geist lebt in einem gesunden Körper“

Was möchten Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden

Vielen Dank für das interessante Interview mit Ihnen.

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