Christian Keller
Geboren: 3. August 1972 in Essen
Größe/Gewicht: 188 cm/ 88 kg
Beruf: Bankkaufmann
3-facher Jugendeuropameister 1988-89
Kurzbahnweltmeister 1993
Schwimmer der Jahre 1993/1994
Weltcupsieger 1993-1995/1998-2001/ 2004
Bronzemedaille Olympische Spiele 1996
Kurzbahn-Vizeweltmeister 1997
Europameister 1995 und 1999
Olympiateilnehmer 1992/1996/2000/2004
3x Vizeeuropameister 2000
35-facher Deutscher Meister von 1991-2004
Bronzemedaille Weltmeisterschaften Barcelona 2003
Verleihung der höchsten sportlichen Auszeichnung
des "Silberne[n] Lorbeerblatt[es]" durch Prof.
Dr. Roman Herzog und Bundeskanzler Dr. Helmut
Kohl.
Interview mit Christian Keller vom 18. Mai
2005
Dirk Schmidt:
Herr Keller, wie sind Sie als Leistungssportler
zum Marathon laufen gekommen?
Christian Keller:
Mein bester Freund ist Triathlet, und ich habe
mal einen Triathlon mitgemacht. Ich war nach dem
Fahrradfahren ganz weit in Führung, und dann beim
laufen bin ich dermaßen eingebrochen, dass ich
diesen Triathlon nicht gewonnen habe. Ich habe
mir geschworen, wenn ich aufhöre mit dem schwimmen,
und ich will hobbymäßig Triathlon machen, will
ich erst einmal anfangen mit dem laufen. Das habe
ich auch seit Anfang 2005 gemacht, nach dem Ende
meiner schwimmsportlichen Karriere. Dann kam eine
Anfrage einen Marathon zu laufen für einen guten
Zweck. Ich habe Sponsoren- und Kilometergeld bekommen
für ein Kinderheim in Essen-Kettwig. Aufgrund
der Enge der Zeit konnte ich nur 300 Kilometer
trainieren. Bin aber trotzdem den Marathon gelaufen,
von Dortmund nach Essen, meinen ersten. Meinen
zweiten Marathon, dann innerhalb von 3 Wochen.
Viele haben mich als verrückt erklärt, weil das
für viele unvorstellbar ist. Als Schwimmer habe
ich immer noch eine gewisse Grundkondition, und
was ganz spezifisches wie meine Füße und Knie
haben gehalten. Ich bin jetzt froh, dass ich den
zweiten Marathon hinter mich gebracht habe.
Dirk Schmidt:
Wie viele Marathons sind Sie gelaufen bisher?
Christian Keller:
Zwei Marathons bin ich bis jetzt gelaufen. Den
ersten mit 4:34 Stunden, von Dortmund nach Essen,
aus meiner Sicht auch eine anspruchsvolle Strecke.
Und den zweiten, 3 Wochen später in Düsseldorf
in 4:27 Stunden.
Dirk Schmidt:
Herzlichen Glückwunsch!
Christian Keller:
Danke. Ich muss ehrlich gestehen, wenn man die
Zeit hört, und man ist Marathonläufer lächelt
nur jeder müde darüber. Jeder der diesen Marathon
überhaupt durchhält hat von mir schon mal Respekt,
denn 42 Kilometer an einem Stück zu laufen, innerhalb
von über vier Stunden. Das können mit Sicherheit
nur 20 Prozent der deutschen Bevölkerung, wenn
überhaupt. Und da ist die Zeit erst einmal Nebensache,
wenn man dann mehrere Marathons gelaufen ist,
hat man Erfahrungen gesammelt über die Distanz
hinweg, dann kann man sich mal eine Zeit vornehmen.
Also meine Zeit wird sein ein 6 Minutenschnitt,
also 4:12 Stunden. Und dann nächstes Jahr unter
4 Stunden. Ich hoffe aber nicht, dass ich diesen
Ehrgeiz beim Marathon entwickle wie beim Schwimmen.
Dirk Schmidt:
Was ist für Sie das Besondere beim laufen?
Christian Keller:
Also, das Besondere beim laufen ist einfach, dass
man die Umwelt wahrnimmt. Wenn man läuft dann
lernt man Menschen kennen. Beim Marathon hat man
immer ein Gesprächsthema. Beim laufen ist das
anders als beim schwimmen. Ich bin immer beim
schwimmen mit dem Kopf unter Wasser, und kann
nicht kommunizieren, und sehe auch nichts. Ich
schwimm eine Bahn hoch, und schwimm eine Bahn
zurück, schwimm wieder eine hoch, ich zähle die
Kacheln, ich kenne jede Markierung am Beckenboden.
Beim Laufen habe ich eben die Chance auch die
Welt zu erlaufen und die Natur zu erkunden. Und
ich habe die Möglichkeit Zeit- und Sportstättenunabhängig
meinem Sport nachzugehen.
Dirk Schmidt:
Wie oft laufen Sie die Woche?
Christian Keller:
Wenn es gut läuft, laufe ich zweimal die Woche,
um die 20 Kilometer bis 30 Kilometer. Momentan
bin ich dem Schwimmsport noch sehr stark verbunden,
und gehe jeden Tag noch schwimmen. Jeden morgen
schwimme ich 2 Kilometer, und dass ich dann abends
nach der Arbeit, wenn meine Freundin Zeit hat,
nicht laufen gehe ist klar. Wenn sie Spätdienst
hat, meine Freundin Annika ist Krankenschwester,
dann kann ich natürlich noch ein bisschen mehr
laufen. Aber ich will es auch zum Sommer hin intensivieren,
weil es natürlich angenehmer ist in den Abendstunden
im Sommer zu laufen als im Winter in der Dunkelheit.
Dirk Schmidt:
Sie sind ja fast der geborene Triathlet?
Christian Keller:
Da haben Sie natürlich Recht. Wenn man gut schwimmen
kann, ist das eine Voraussetzung um sich vom Feld
abzusetzen. Für das Laufen habe ich jetzt auch
schon ein schönes Gefühl dafür entwickelt, jetzt
kommt das Fahrradfahren. Also ich werde mit Sicherheit
Triathlon auch mal machen und das nicht nur einmal,
sondern zwei- bis dreimal. Viele haben schon gesagt:
"Dann kannst Du diesen Ironman machen!" Aber das
sind dann Menschen die sich wirklich keine Vorstellung
davon machen, was das für ein Aufwand überhaupt
ist, mal einen Ironman durchzuhalten. Da hat man
den Marathon, die ich isoliert gemacht habe, und
der schon sehr sehr anstrengend war, habe ich
dort als dritte Distanz. Und davor sind 180 Kilometer
Fahrradfahren, und davor 3.5 Kilometer Schwimmen.
Das ist überhaupt nicht mein Ziel. Wenn dann schon
eher Volksläufe die man innerhalb von einer Stunde
abwickeln kann, damit man noch ein geselliges
Beisammensein hat.
Dirk Schmidt:
Ein bisschen Spaß sollte dabei auch sein. Wie
wichtig sind Ziele, oder waren Ziele für Sie beim
Leistungssport und jetzt beim laufen? Gibt es
da parallelen für Sie?
Christian Keller:
Ziele sollte jeder im Leben haben. Ob das Ziel
eine Familienplanung ist, oder in Urlaub zu fahren,
ob das Ziel den nächsten Marathon unter 4 Stunden
zu laufen. Ohne Ziele geht man orientierungslos
durchs Leben. Jeder sollte für sich persönlich
Stepp by Stepp Ziele setzen und versuchen die
dann auch so gradlinig wie möglich zu erreichen.
Weil ich denke, das gibt dem Leben mehr Inhalt.
Das gibt dem Leben auch eine Bestätigung und auch
eine Bereicherung und jeder muss für sich abschätzen,
dass diese Ziele nicht unerreichbar sind, dass
sie realitätsnah sind, und auch nicht überfordernd.
Ich denke dann kann man die Sache noch mehr genießen
und ist auch leistungsbereiter.
Dirk Schmidt:
Arbeiten Sie mit Zielen?
Christian Keller:
Ich persönlich arbeite mit Zielen. Ich denke mal,
wenn man 16 Jahre lang, ununterbrochen in der
Schwimmnationalmannschaft war, dann hat man Ziele
vor Augen. Am Anfang natürlich ist es die persönliche
Bestzeit, dann kommt der Deutsche Meister-, der
Europa Meister-, dann möchte man Weltmeister werden.Bei
den Olympischen Spielen möglichst gewinnen oder
zumindest eine Medaille gewinnen. Und das sind
Einzelziele, das Gesamtziel war immer das Beste
zu geben, im Wettkampf bei meiner sportlichen
Herausforderung. Und wenn man wirklich von seinem
Herzen, von seiner Einstellung und von seinen
Fähigkeiten her das Beste im Wettkampf gibt, ohne
Einschränkung, dann ist man auch zufrieden mit
dem was rauskommt. Egal ob es der erste oder der
sechste Platz ist. Hauptsache man hat von sich
aus tiefster Überzeugung gemerkt, dass man das
Beste gegeben hat.
Dirk Schmidt:
Neben diesem Grundlagen- und Basistraining das
vorhanden sein muss beim Leistungssport und auch
beim Marathon, wie wichtig ist eine mentale Vorbereitung
für Sie?
Christian Keller:
Eine mentale Vorbereitung ist aus meiner Sicht
das A und O. Eine mentale Vorbereitung muss sehr
sorgfältig, und von einer längeren Dauer sein.
Ob das nun ein Mentalberater ist, ein Physiologe
oder ein Kinesiologe, diese Personen haben mit
Sicherheit etwas wichtiges, um den Athleten auf
Stresssituationen vorzubereiten. Man hat im Wettkampf
den Stress seine Ziele zu erreichen, wenn sie
realistisch sind, dann ist der Stress gering,
aber man ist natürlich aufgeregt, man hat einen
Adrenalinschub, desto ist es um so wichtiger,
langfristig sich auf das Ziel vom Kopf her vorzubereiten.
Man kann sich ja auch selber vorbereiten, dass
man mal eine Laufstrecke durchgeht, dass man sich
darauf einstellt wie viele hunderte von Sportlern
bei der Veranstaltung teilnehmen. Ich denke es
ist ein Unterschied, ob ich an einer Weltmeisterschaft
teilnehme, oder bei Olympischen Spielen. Denn
bei den Weltmeisterschaften sind alle Nationen
in einem Hotel, und bei den Olympischen Spielen
sind viele Athleten überfordert, dass 30000 Menschen
auf engstem Raum in einem Dorf leben. Und ihren
täglichen Alltag selbst organisieren und managen
müssen, und sich da überfordert sehen. Und ich
glaube, das war mit ein Punkt bei den Olympischen
Spielen, warum auch mansche Sportler aus Deutschland
gerade die Schwimmer, wobei ja Schwimmen charakteristisch
ist, dass die Sportler sehr jung sind, sich vom
Kopf her wenig vorbereitet haben. Daher ist auch
diese Stresssituation, die dann zur Einschränkung
innerhalb des Wettkampfes und dem entsprechend
zur Leistungsbereitschaft geführt hat.
Dirk Schmidt:
Wie lange sollte man sich mental vorbereiten?
Was würden Sie einem Hobbysportler aus Ihrer Erfahrung
mitgeben?
Christian Keller:
Für einen Hobbyläufer ist ja eher Spaß an der
Freude ausschlaggebend. Es gibt zwar Hobbyläufer,
aber irgendwo hat doch jeder Ehrgeiz. Einem Hobbyläufer
würde ich empfehlen bei dieser normalen Grundlagenausdauerphase
erst einmal nur auf den Sport zu achten. Da kann
man sich gehen lassen, da wird die Basisfähigkeit
für den Körper trainiert, und wenn man dann in
andere Trainingsbereiche kommt, wie z. B. eine
Wettkampfspezifische- oder eine intensivere Trainingsvorbereitung,
dann sollte man sich schon geistig auf diese Trainingsinhalte
vorbereiten. Dass heißt wenn Körper, Geist und
Seele in einem Einklang ist, dann ist der Körper
in einer optimalen Struktur um sehr gute Leistung
zu bringen. Und je näher ich an das große Ziel
herankomme umso mehr spielt der Kopf eine Rolle,
umso mehr muss ich mich dann mit dem Wettkampf
und meiner sportlichen Situation auseinander setzen.
Dirk Schmidt:
Herr Keller, verraten Sie uns mal einen Tipp oder
einen Trick wie Sie Ihren "inneren Schweinehund"
überwinden, auch wenn Sie mal keine Lust zu trainieren
haben? Was tun Sie dann?
Christian Keller:
Ich denke mal es ist eine Charakterfrage ob man
den "inneren Schweinehund" überwältigt, oder nicht.
Meine Formulierung ist da eher, dass man den "Tiger
im Herzen" haben muss um den "Schweinehund" zu
überwinden. Dass man gar nicht erst diese Aversion
gegen das nicht trainieren aufkommen lässt. Natürlich
war es in den Jahren des Leistungssports bei mir
auch immer eine Gewohnheitsfrage. Morgens um 5
Uhr aufzustehen, um 6 Uhr im Wasser zu sein. Ich
denke mal, man sollte sich immer vor Augen führen,
wenn ich jetzt nicht trainieren gehe, stärke ich
damit meinen Gegner und schwäche meine eigene
Situation. Wenn ich trainiere bin ich immer auf
dem gleichen Level wie mein Gegner, oder ich setze
noch eine Trainingseinheit oben drauf um mir einen
Vorteil zu geben. Ich denke das könnte eher der
Punkt sein, dass man seine Ziele nicht aus den
Augen verliert, und sich dann eben darauf fokussiert,
und dann auch keine Trainingseinheit ausfallen
lässt.
Dirk Schmidt:
Ich habe mal gelesen, es entstehen Glücksgefühle
beim Sport, und speziell beim laufen, diese Endorphine,
die dann ausgeschüttet werden sollen. Sie schmunzeln?
Christian Keller:
Ja, hatte ich auch mehrfach.
Dirk Schmidt:
Können Sie uns etwas dazu sagen? Wie bekommt man
dieses Gefühl? Können Sie dieses Gefühl beschreiben?
Christian Keller:
Dieses Gefühl ist einfach gigantisch, also man
bekommt eine Euphorie des Schwebens. Das heißt,
man spürt den Asphalt gar nicht mehr, man läuft
auf einer Wolke, es geht alles von alleine. Man
hat keinen Schmerz mehr, das Herz schlägt schneller,
man hat Gänsehaut, man genießt die Atmosphäre,
vor allen Dingen wenn man sich eine Zeit vorgenommen
hat, und man kann mit Leichtigkeit diese so genannte
Schnittzeit erreichen beim laufen. Dass man bei
Kilometer 35 wo der Marathon eigentlich erst anfängt
immer noch keine Schmerzen hat, und ich weiß,
ich brauche nur noch 7 Kilometer. Ich habe dann
ein Gefühl es geht alles von alleine. Und wenn
dann die Zuschauer einen noch anfeuern, und die
Mitläufer überholt, dann fühlt man sich, als wenn
man im freien Fall ist, und irgendwo auf einem
ganz weichen Federbett landet. Das ist einfach
ein unbeschreibliches Gefühl, wo letztendlich
auch die Philosophie des bereit sein zur Aufopferung
entsteht. Denn ohne diese Glückgefühle, ohne diese
Belohnung für meine sportliche Höchstleistung,
ob es nun Medaillen sind, ob es meine eigene Zielsetzung
ist, das zu Erreichen. Ohne diese Glücksgefühle
wäre eine Leistungsbereitschaft nicht möglich.
Dirk Schmidt:
Wie kann ich das mit der Aufopferung verstehen?
Was müssen Sie aufopfern?
Christian Keller:
Aufopferungsbereitschaft beginnt mit dem Training,
denn ich muss ja viele Einschränkungen hinnehmen.
Wobei dann nur Einschränkungen, wenn mir das Training
eben nicht den Spaß macht, und den Lebensinhalt
gibt, wie jetzt andere Sachen. Mit Aufopferung
meine ich, diese Systematik und Kontinuität innerhalb
des Trainings, um eben auch auf andere Dinge verzichten
zu können. Aufopfern heißt eben, ich fokussiere
mich auf mein Ziel und tue alles dafür, um dieses
Ziel so effizient wie möglich zu erreichen. Ich
muss natürlich Einschränkungen dann im normalen
Leben hinnehmen.
Dirk Schmidt:
Herr Keller, welchen Effekt hat der Sport für
Ihren Geist und Ihren Körper?
Christian Keller:
Ich habe festgestellt seitdem ich laufe, dass
man beim laufen, meistens laufe ich zu zweit,
dass man total abschalten kann. Das heißt, man
vergisst die Alltagsprobleme, man hat keinen Stress
mehr, weil die Stresshormone beim laufen abgebaut
werden. Man genießt die Natur, man ist an der
frischen Lust, man hört die Vögel zwitschern,
man sieht das seichte Wasser auf dem See. Man
hat die Möglichkeit eine gewisse Problembewältigung
auch zu durchleben, das heißt, wenn mich Dinge
beschäftigen kann ich zwar alleine be- und verarbeiten
und kann mir Lösungsansätze dadurch erarbeiten.
Und ich habe immer jemanden mit dem ich reden
kann. Durch das Reden völlig abschaltet und in
eine Laufwelt kommt wo man für sich alleine ist,
ohne an andere Dinge zu denken.
Dirk Schmidt:
Inwieweit hat das Laufen Ihr Leben bereichert?
Christian Keller:
Das Laufen und Sport treiben erhöht meine Lebensqualität.
Das wird mit Sicherheit jeder feststellen, der
jetzt anfängt zu laufen. Man ist im Kaufhaus und
steigt ein paar Treppen und kommt oben an, und
ist nicht mehr außer Atem, oder man schläft viel
tiefer, viele Dinge im alltäglichen Leben sind
mit einer Leichtigkeit zu bewältigen. Und dann
kommt noch der tolle Nebeneffekt, das Laufen ist
eine Ausdauersportart, und bei einer Ausdauersportart
wird körpereigenes Fett verbrannt, dadurch habe
ich die Möglichkeit eine Gewichtsreduzierung durchzuführen
und das sieht natürlich auch gut aus. Wenn man
irgendwo am Strand ist, und geht am Beach auf
und ab spazieren mit seiner Freundin, dann ist
mit Sicherheit auch der Stolz und die Anerkennung
der Partnerin da, und wenn man Solo ist umso besser.
Das sind alles positive und schöne Nebenwirkungen.
Dirk Schmidt:
Haben oder hatten Sie Vorbilder in Ihrem Leben?
Christian Keller:
Ja, das mit Sicherheit. Man kann ja Vorbilder
in den unterschiedlichsten Facetten haben. Für
mich ein Vorbild in der Außendarstellung war immer
Richard von Weizsäcker, unser ehemaliger Bundespräsident.
Der mit seiner souveränen Ausstrahlung, seiner
Ruhe und mit seiner Kompetenz. Auf der sportlichen
Seite war Michael Groß ein Vorbild, der natürlich
von seinen Fähigkeiten her, der beste Schwimmer
der Welt war, aus meiner Sicht. Von seinem Kampfgeist
her, Boris Becker. Der mich damals mit seinem
ersten Wimbledon Sieg so mit gefesselt hat, und
Haile Gebreselassi vom laufen her, der über Jahre
hinweg die Mitteldistanzen beherrscht hat und
der wirklich mit einem Spaß an der Freude seine
Läufe gemacht hat und junge Athleten in der jetzigen
Zeit immer noch mitziehen kann.
Dirk Schmidt:
Gibt es für Sie ein Lebensmotte nach dem Sie leben?
Christian Keller:
Ja, es gibt mit Sicherheit mehrere. Einer davon
ist "Sorge dich nicht, lebe" nach dem gleichnamigen
Buch. Das wichtigste im Leben ist die Gesundheit.
Es gibt einen Spruch: " Wenn Du Gesund bist hast
Du mehrere Wünsche, bist Du Krank, dann hast Du
nur einen Wunsch!". Und dass man jeden Tag mit
einem Lächeln beginnen sollte, denn das macht
den Tag lebenswerter und jeder Tag der vorbei
ist kommt so nicht wieder wie er einmal war. Deswegen
sollte man das Leben genießen, und jeden Tag so
genießen als es der letzte wäre. Und sich nicht
so viel Stress machen. Das schlimme an der heutigen
Gesellschaft ist ja, dass sich viele Menschen
auf sehr hohem Niveau beklagen. Jeder hat aber
sein Einkommen, egal in welcher Art und Weise,
jeder kann sich etwas zu Essen und zu Trinken
kaufen. Also diese Grundsatzvoraussetzungen sind
bei uns in Deutschland gegeben. Hier streben viele
nur noch mehr Geld und einen besseren Job, ein
größeres Auto, ein größeres Haus und vergessen
dabei, dass die Gesundheit das elementar wichtigste
ist. Ohne mein Kapital im Körper bin ich doch
gar nicht in der Lage mein Leben zu genießen.
Ich war auch mal in der 3. Welt. In Kenia, in
China und vor allem in Afrika kämpfen die Menschen
jeden Tag ums überleben. Und da ist es für sie
wichtig die Wassergewinnung für die Felder um
Nahrungsmittel zu produzieren oder Trinkwasser
zu bekommen, oder die Schule für die Kinder zu
organisieren. Wenn man da mal war, dann weiß man
viele Dinge besser zu schätzen, und ist natürlich
dann sehr irritiert über welche Dinge sich die
Menschen hier in Deutschland beklagen. Wenn man
schwimmen geht, und die Leute sich unter der Dusche
beschweren, dass das Wasser zu kalt ist, und das
ist schon unbeschreiblich welche große Differenz
da besteht.
Dirk Schmidt:
Herr Keller, was ist noch ein großes sportliches
Ziel in Ihrem Leben?
Christian Keller:
Ein sportliches Ziel ist für mich einen Marathon
unter 4 Stunden zu laufen. Da möchte ich gerne
mein Handicap beim Golfen verbessern. Ich habe
vor zweieinhalb Jahren meine Platzreife gemacht
und seit dem nicht mehr gespielt. Da möchte ich
mit Sicherheit ein Handicap mal unter 30 erreichen.
Ein privates Ziel ist natürlich eine Familie und
Kinder zu haben, das ist mit Sicherheit auch sehr
wichtig und eben die Gesundheit. In seinem Job
natürlich Zufriedenheit und Anerkennung.
Dirk Schmidt:
Was würden Sie einem Menschen empfehlen, der dieses
Interview liest und noch nie gelaufen ist. Der
Interesse am laufen gewinnt und in ein oder zwei
Jahren einen Marathon laufen möchte? Was möchten
Sie diesen Menschen mitgeben?
Christian Keller:
Das Laufen ein Gefühl der Freiheit vermittelt.
Das man Sorgfältig nach einer Gesundheitsprüfung
mit dem Arzt ein Programm entwickeln sollte wo
man einen fundierten Aufbau macht. Denn man kann
auch viel kaputtmachen. Viel ist auch nicht gleich
gut, man muss mit einem systematischen Trainingsplan
sich darauf vorbereiten, auf das große Ziel. Man
muss immer sehen, dass ein "normaler" Sportler
gar nicht die muskulären Voraussetzungen hat,
um überhaupt längere Distanzen zu laufen. Deswegen
ist ganz wichtig eine Muskel spezifische Aufbauphase
durchzuführen, um auch die Gelenke zu schonen.
Nichts ist schlimmer, wenn man zu großen Ehrgeiz
hat. Diesen Ehrgeiz in kurzen und starken Belastungen
irgendwo ausleben möchte. Wichtig ist doch eine
langfristige und kontinuierliche Trainingsarbeit,
um dann den größt möglichen Erfolg zu haben. Das
ist mit Sicherheit das wichtigste was man mitgeben
kann, und zwischendurch immer wieder eine ärztliche
Kontrolle, um kein böses Erwachen im Nachhinein
zu haben.
Dirk Schmidt:
Wie lange haben Sie sich auf den ersten Marathon
vorbereitet?
Christian Keller:
Das darf man eigentlich gar keinem erzählen. Man
muss mich ja nicht als Maßstab nehmen. Ich habe
ja viel Sport vorher gemacht. Bei mir waren es
2 Monate.
Dirk Schmidt:
Wie viele Kilometer laufen Sie dann pro Woche?
Christian Keller:
Ich bin damals für diesen Marathon in den 2 Monaten
300 Kilometer. Mein längster Lauf war 32 Kilometer
und man muss vor einem Marathon lange Läufe machen
in einer sehr mäßigen Laufgeschwindigkeit um erstmal
diese Grundlagenausdauer zu bekommen.
Dirk Schmidt:
Laufen Sie immer mit Pulsuhr?
Christian Keller:
Ja immer. Mein Puls beim Marathon kommt nicht
über 135. Also vom Puls her ist das alles für
mich o. k. Wichtig ist bei mir das Durchhalten
der Muskulatur, der Bänder und Gelenke im Fuß
und Kniebereich. Deshalb dieser Vernünftige und
sorgfältige Aufbau bei einem normalen Sportler
der jetzt anfangen möchte.
Herr Keller, vielen Dank für das interessante
Interview.