Dirk Schmidt | Magazin

Motivationstrainer: Was der Sport von Unternehmen lernen kann

Die Skandalvermeidungspolitik im Radsport trudelt diesen immer weiter in die Existenzkrise. Doping ist Thema Nummer Eins: wieder geht es um brillante Fahrer und Sterne am Radhimmel. Die französische Anti-Doping-Agentur AFLD ist nicht nur Dopingakteuren, sondern auch fahrlässiger Handlung des Weltverbandes UCI auf der Spur. Wenn man die Medienberichte darüber verfolgt, erinnert man sich an das Sprichwort „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.“

Nach dem Zufallfund 2008 beim führenden Fahrer Ricco und der Beichte eines Kollegen, das Dopingmittel Cera zu konsumieren, entwickelte die AFLD ein Testverfahren was nachträglich mehr Positive nachwies. Nun weißt die Agentur nach, dass der Radsportverband 2009 offenbar nichts unversucht lies, um gegen diese Erniedrigung vorzugehen und Risse im eigenen Gemäuer zu kitten. Dem UCI gelang es damals, die AFLD der Dopingtestregie 2009 zu entmachten. Offiziell galt der Radsport somit als „wieder sauber.“ War er nicht! Das belegen jetzt die aktuellen Testergebnisse die die AFLD herausgibt. Nun besteht der Verdacht, der Verband UCI versucht mit fahrlässigen Tests Dopingskandale zu vermeiden.

Was tun Unternehmen, die in die Krise geraten? Oder besser gefragt, was taten die, denen der Schritt aus der Existenzkrise heraus gelang? Die Frage ist leicht zu beantworten. Sie gingen an die Öffentlichkeit, legten alles offen, gaben ihre geplanten Maßnahmen gegen die Krise bekannt, leisteten aktive Pressearbeit statt Vertuschen und gewannen so das Vertrauen der Kunden zurück. Das ist fair. In meinen Vorträgen zeige ich meinem Publikum auf, was wir von Sportlern in Sachen Motivation und Disziplin lernen können. Im Schul- und Vereinsport wird den Akteuren immer wieder betont: Sport bedeutet Fairness! Doch wie ist die Fairness bei den Großen? Und wieso arbeiten die gegen eine Tatsache, die bereits existiert? Dass man Doping nicht von heute auf morgen aus dem Radsport entfernen kann ist klar. Niemand, der sich mit Unternehmenspolitik auskennt erwartet so eine Meldung. Aber wieso der Verband mit Vertuschungsversuchen und Nachlässigkeit gegen das Entstehen von Vertrauen arbeitet, anstatt alles dafür zu tun, wieder Vertrauen zu schaffen, bleibt ein Rätsel. Bewältigung von Image-Krisen ist etwas, was der Sport von Unternehmen lernen kann.

Experten-Statement


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