Dirk Schmidt | Magazin

Motivationstrainer: Ein mentaler Profi kann jeder werden!

Stille im Saal. Gerade hat die Doppel-Olympiasiegerin im Biathlon Magdalena Neuner im deutschen Pressezentrum in Vancouver/Whistler freudig strahlend im herzhaft bayrischen Akzent verkündet: „Für mich war heute das letzte Rennen. Ich bin fertig mit Olympia. Ich habe zwei Goldmedaillen gewonnen und eine Silbermedaille. Das ist großartig. Ich denke, dass die Mädels noch mal richtig super rennen werden und alle noch eine Medaille haben wollen, so dass wir dann alle gemeinsam feiern.“ Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Die 23-jährige schreibt Olympiageschichte auf ihre Weise. Und alles begann als Kindheitstraum.

Eine 8-jährige stürmt Seite an Seite neben ihrem gleichaltrigen Groß-Cousin Albert Neuner bei ihrem ersten Langlauf-Wettbewerb ganz vorne mit. Kurz darauf sorgt die Biathlon-Nachwuchstrainerin Anne Holzer im Skigau Werdenfels für den Beginn einer Leidenschaft. Sie führt die kleine Magdalena an den Biathlonsport heran. Magdalena will die Erste sein. Mit 11 Jahren ist sie beim Schülercup nicht mehr zu bremsen und gewinnt jahrelang in Folge die ganze Serie! Das hat noch keiner geschafft. Und Magdalena träumt von Olympia: „Mit einem Olympiasieg geht man in die Geschichte ein und wird zur Legende. Es ist etwas ganz anderes als ein Weltmeistertitel.“

Fast so, als ob sie damals schon wusste, dass sie den Weltmeistertitel bereits in der Tasche hat. 2007 siegt sie bei der WM in Antholz im Sprint und wird zum Nachwuchsstar am Sportlerhimmel. Plötzlich lernt die 20-jährige die Schattenseite der Medaille kennen. Der Medienrummel ist gewaltig! Bei einem Fotoshooting an ihrem Geburtstag knackt das Eis furchteinflößend auf dem Antholzer See. Auch für Magdalena ist es eine Herausforderung. Touristen belagern das Hotel der Mannschaft und der Vorgarten der Familie wird oft besucht. Jeder möchte mal einen Blick auf das Wunderkind werfen. Eine neue Welle der Vermarktung beginnt. Sie ist die erste Biathlon-Millionärin. Die junge Athletin ist dem Termindruck ausgesetzt und ein Vertrag folgt dem Nächsten. Sie lernt die Dimension des Erfolges auf eine Weise kennen, wie sie ihn als Kind nicht geahnt haben kann. Nach dem Weltmeistertitel in Antholz kommt nur eine kurze Erholung.

Antholz wird zum dunkelsten Kapitel in Magdalenas Sportkarriere. Alles in diesem Rummel ist neu. Und sie hat keine Zeit, sich in Ruhe zu orientieren. Für den Jungstar wird der Alptraum eines jeden Biathleten wahr. Im Januar 2009 liegt sie in Führung. Mit 50 Sekunden Vorsprung. 15 Treffer hat sie bereits sicher geschossen. In diesen Lauf greift sie zum letzten Mal zum Gewehr. Die bereits zweifache Weltmeisterin erlebt den Wendepunkt wie einen Schlag auf den Hinterkopf. Plötzlich schießt sie fünf Mal daneben. Aus der Traum. Und Magdalena hat ihr erstes „Trauma“.

Ein Jahr später in Vancouver/Whistler kann ihr keiner mehr was. „Es ist wichtig, irgendwann zu verstehen, dass es nicht reicht, nur körperlich zu trainieren, sondern dass man einfach mehr machen muss. Ich habe Gott sei Dank früh genug verstanden, dass es auch im mentalen Bereich wichtig ist, etwas zu tun. Ich habe da ganz, ganz viel gemacht. Das hat mich extrem weitergebracht.“ offenbart die 23-jährige eines ihrer Erfolgsgeheimnisse. Sie hat jetzt einen Mentaltrainer, der ihr hilft, den Kopf zu trainieren. Bei den olympischen Spielen beweist die Bayerin mentale Stärke. Am ersten Wettkampftag schneidet die Slowakin Anastasia Kuzmina noch besser ab. Doch der Frau, die es von Ursprung an gewohnt ist, grundsätzlich alles mit dem ersten Anlauf zu schaffen, macht das gar nichts aus, die Zweite zu sein. Noch weiß sie nicht, dass sie sich den letzten Wettkampftag am Ende schenken wird.

Fast unproblematisch holt sie nach der Silbermedaille zwei Goldmedaillen! Bei der Verfolgung überholt sie mit nur zwei Schießfehlern die Konkurrentin Anastasia Kuzmina und läuft ihr (im wahrsten Sinne des Wortes) davon. Und dass, obwohl sie nach dem vierten Schießen beim letzten Schuss patzt und sechs Sekunden Vorsprung verliert. Schnell hackt sie den Ausrutscher ab, blickt nach vorne und vergrößert spielend den Laufabstand zur Konkurrenz. Nach dem Doppelsieg verzichtet sie auf das letzte Rennen, um den Erfolg zu verarbeiten: „Ich bin noch kein Vollprofi. Den Kopf zu trainieren ist noch ein bisschen schwieriger als den Körper. Da laufe ich einfach durch den Wald, und da wird man schon einmal fit. Mentales Training, da gehört etwas mehr dazu. Ich bin, glaube ich, schon ganz, ganz weit. Aber wahrscheinlich immer noch ganz unten.“ Dabei hätte die Doppelsiegerin Olympiageschichte schreiben können. Mit dem Verzicht auf den letzten Lauf lässt sie die Chance auf einen Hattrick vorüber ziehen. Doch sie hat gelernt, nein zu sagen. Und schreibt Sportgeschichte auf ihre eigene Weise.

Quellen: FAZ - „Es wird noch heftiger“; www.magdalena-neuner.de - Werdegang; Abendblatt - „Gold schmeckt gut. Magdalena Neuner verrät Erfolgsrezept.


Dirk Schmidt über Magdalena Neuner:


„Magdalena Neuner ist als Siegertyp zur Welt gekommen. Schon als Kind hatte sie einen sehr ausgeprägten Siegeswillen und Kampfgeist. Siegertypen haben von innen heraus eine enorme Kraft, sich selbst zu motivieren. Sie arbeiten enorm ehrgeizig, diszipliniert und langfristig auf ein konkret gesetztes Ziel hin. Daher gelingen ihnen auch viele Erfolge in Serie. Magdalena Neuner ist ein gutes Beispiel dafür. Aber niemand ist perfekt. Für jemanden, der Erfolge gewohnt ist, ist es schwer eine Niederlage zu verkraften. Vor allem die Art von Niederlagen, die sie sich nicht erklären können. So erlebte Magdalena Neuner den Wendepunkt in Antholz 2009 als traumatische Erfahrung. Ein Misserfolg kann bei Siegertypen äußerst schwierige Emotionen hervorrufen. Auch Krankheiten und schnelle Umstellungen der Lebensgewohnheiten können erfolgreichen Personen schwer zusetzen. Mentales Training kann hier ansetzen und diese Schwächen ausgleichen.

Viele Menschen träumen vom großen Erfolg ihrer persönlichen Ziele. Es gibt jedoch zwei Sorten von Menschen. Die einen, die als Siegertypen geboren werden und die anderen, die es nicht sind. Das heißt jedoch nicht, dass nur Siegertypen Erfolg haben. Der Unterschied liegt lediglich in ihrer natürlichen Gabe sich selbst zu motivieren und Ziele beständig und ehrgeizig zu verfolgen. Jeder Mensch gibt sich unterschiedlich schnell geschlagen. Die einen geben früher auf, andere später. Manche kämpfen bis sie bekommen, was sie wollen. Ein guter Mentaltrainer analysiert erst den Menschen, bevor er mit einer Methode ansetzt, die ihn auch garantiert zum Erfolg bringt. Die meisten meiner Klienten haben ihre wesentlichen Stärken erst nach einer intensiven Analyse kennengelernt.“

Experten-Statement


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