Dirk Schmidt | Magazin
Motivationstrainer: Das Rennen um die Sternstunde
„Miss Erfolg“ müsste ihr neuer Titel lauten - der spektakuläre Gewinn des WM-Silber der Leichtathletin Jennifer Oesner bestätigt die große Kraft der Gedanken. Gewonnen wird im Kopf. Oder auch verloren. Kurz vor dem Rennen dachte die 25-jährige „Bloß nicht hinfallen“ und stürzte. „Der Moment, als ich gestürzt war, hat einen unglaublichen Adrenalin-Kick gegeben. Da wollte ich alle Konkurrentinnen noch einfangen.“
…„Ich habe zwar auf Bronze geschielt, aber an Silber habe ich nie im Leben gedacht.“ sagte sie den westfaelischen Nachrichten über ihre grandiose Aufholjagd im finalen 800-Meter-Lauf bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin. Es war eine Sternstunde im deutschen Sport, die so schnell nicht vergessen wird. Das beweist, jemand der gewinnen will, kann sich im Moment der Niederlage unglaublich gut selbst motivieren und eine enorme Kraft daraus schöpfen. Im Lauf bleibt keine Zeit lange zu überlegen. Man muss sofort eine Entscheidung treffen. Für einen Leichtathleten ist ein Sturz das Schlimmste, was passieren kann. Der Gestürzte gibt in 90% der Fälle auf. Die Silbermedaille im Siebenkampf ist mehr als nur ein großer Erfolg. Für Jennifer Oesner ist das auch nach 12 Jahren Leichtathletik-Weltmeisterschaften der erste Gang auf das Siegertreppchen und persönliche Bestleistung. Die Niederlage, die zum Sieg führte, wird sie stark machen.
Jetzt kann ihr keiner mehr etwas! Das Nordlicht aus Brunsbüttel erreichte insgesamt 6493 Punkte. Durch das Malheur schaffte sie die 6500er Grenze leider nicht. Wenn man ihre Interviews studiert, erkennt man eine konstante Solidarität einer realistischen Sportlerin mir realistischen Zielen. Vielleicht ist sie deshalb so ausgeglichen und zielstrebig, weil sie steht’s auf dem Boden der Tatsachen bleibt, auch wenn sie mal kurzzeitig am Boden liegt.
Experten-Statement
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