Dirk Schmidt | Magazin
Motivationstrainer: Brechen Sie raus aus den Schatten, die andere auf Sie werfen
Susi Riesch steht im Schatten ihrer Schwester. Dabei fährt sie im Training oft schneller, als die Große. Bei den Rennen aber nie. Von den Trainern wird sie als „talentiertere“ bezeichnet. Sie hat das gleiche Niveau wie die ältere Schwester und Weltmeisterin. Doch das merkt kaum einer. Warum? Weil ihr die mentale Stärke der Maria fehlt. Reine Kopfsache.
Gewonnen wird in Kopf. Das Ziel ist meistens ein Verhalten, was zur Gewohnheit und zum Schicksal wird. Im Falle von Susi Riesch wäre das Verhalten: „Ich will im Rennen genauso schnell fahren wie im Training.“ Dieses Verhalten hängt mit einer Handlung zusammen. Vielen Sportlern hilft es, wenn sie sich selbst in der angespannten Situation kurz vor dem Start selbst zusprechen „Ich kann das!“ Das ist das Wort, was man sich selbst gibt. Allem voran steht jedoch der Gedanke. Wenn wir im Augenblick der Anspannung nicht daran denken, dass wir vor dem Start noch etwas zu erledigen haben, ist alles weg. Wer nicht weiß, wohin er will, darf sich nicht wundern wenn er woanders ankommt.
Wer also vor seinem alles entscheidenden Start in einem Rennen vergisst, daran zu denken, dass er siegen will, siegt auch nicht. Erinnern Sie sich im Startmoment: „Moment, da war noch was…“ Sagen Sie sich „Ich will siegen! Ich schaffe das! Denn ich weiß, dass ich es kann!“ Das ist mentale Stärke. Zuerst kommt der Gedanke, dann das Wort, auf das eine Handlung folgt. Die Handlung ist Ursprung eines Verhaltens, was am Ende zur Gewohnheit wird. Susi Riesch fährt besser als die ältere Schwester, doch Maria Riesch gewinnt die Rennen. Hier hat sich eine Gewohnheit eingeschlichen, die durch die Umgebung der beiden Schwestern noch verstärkt wird. Maria Riesch steht im Rampenlicht, ist von der Presse gefragt. Ihre Autogrammstunden dauern an, während Susi nicht mehr gefragt ist.
Ein ähnliches Muster gab es bei den Ski-Schwestern Evi und Rosi Mittermaier 1976. Rosi Mittermaier machte jedes Rennen, während Evi, die Jüngere auch als talentiertere gesehen wurde. Außer in Innsbruck. Da startete die Jüngere vor der Schwester, fuhr eine atemberaubende Bestzeit. Die ältere Rosi erfuhr von der Zeit in der Starbox, hatte Tränen in den Augen und vorbei war die Konzentration. Sie fuhr 3,23 Sekunden langsamer als ihre kleine Schwester. Niemand muss im Schatten stehen. Auch nicht in dem der Geschwister. Gewonnen wird im Kopf.
Experten-Statement
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